Borgman (2013)

Was passiert
Borgman (2013)Camiel Borgman lebt mit seinen Gefährten Ludwig und Pascal in Erdlöchern im Wald. Als er aus seinem Versteck vertrieben wird, erschleicht er sich das Vertrauen der reichen Künstlerin und später auch das ihres arroganten Mannes, erst als bedürftiger Landstreicher Anton, dann als Gärtner. Subtil bringt er das Eheleben der beiden durcheinander, nicht ganz so subtil erweist sich seine Neugestaltung des Gartens, und dann ist da noch die Spur aus Blut, Gift und Zement, die er und seine Kameraden hinterlassen, während sie sich ihrem Ziel nähern – was immer das sein mag.

Was Sache ist
Der holländische Cannes-Beitrag Borgman erzählt, so scheint es, die Geschichte einer dämonischen Verführung. Borgman, gejagt von Priestern, mit einer eher mäßigen Meinung von Jesus, gebrandmarkt durch ein Wundmal, als Alp, als Giftmörder. Wikipedia kennt Camiel oder Camael als „the leader of the forces that expelled Adam and Eve from the Garden of Eden holding a flaming sword“, einen vom Vatikan nicht anerkannten Erzengel. Das Motiv der Vertreibung aus dem Garten Eden greift Borgman ohne Frage auf. Was genau Camiel ist, warum er sich anfangs im Wald versteckt oder wie seine Ziele aussehen, darüber hingegen schweigt sich der Film letztlich aus, was völlig akzeptabel ist. Er bleibt voll und ganz seiner Situation verschrieben, die Alex van Warmerdam mit einfachen, geradlinigen filmischen Mitteln, an Haneke erinnernd und besser, so fulminant einfängt, dass Borgman gleichzeitig atemlos beklemmend und von einer solch absurden Komik ist, dass das Lachen sich nicht recht entscheiden kann, ob es nun im Halse stecken bleiben will oder nicht. Im Zweifelsfall eher letzteres. Borgman ist Rätselspiel, ist surreal, überfordert das Publikum bewusst und reizt aus, was auszureizen ist. Die religiösen Motive bieten einen möglichen Ausweg aus der Sprachlosigkeit, die der Film unweigerlich hinterlässt, aber nötig ist das nicht zwingend. Er ist in sich selbst reizvoll genug, und weit mehr als das, ein erzählerischer Geniestreich der seltenen Art.

(Deutscher Kinostart: 2. Oktober 2014)

Borgman – Niederlande 2013 – Regie und Skript: Alex van Warmerdam – Darsteller: Jan Bijvoet, Hadewych Minis – 113 Min.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s