Maps to the Stars (2014)

„On all flesh that says yes, on the forehead of my friends, on every hand held out I write your name“

Was passiert
Maps to the StarsHollywood, Mikrokosmos der Stars. Nach Jahren kehrt die vernarbte Agatha hierher zurück, nachdem sie aus psychischer Behandlung aufgrund von Brandstiftung entlassen wurde. Um ihrer Familie wieder näher zu kommen, heuert sie als persönliche Assistentin bei Havana Segrand an, einer alternden Schauspielerin, die mit den Erinnerungen an ihre verstorbene Mutter kämpft und ein Remake des Films drehen will, der ihre Mutter damals berühmt gemacht hat. Agathas Bruder Benjie will derweil sein Image als drogensüchtiger Kinderstar loswerden, doch er wird von seinen eigenen Geistern verfolgt.

Was Sache ist
David Cronenbergs neuester Film porträtiert die abgehobene Welt der Hollywood-Stars als in sich verschlungener Mikrokosmos, gezeichnet durch Inzest und Schizophrenie im wörtlichen wie übertragenen Sinne. Maps to the Stars ist Familiendrama, High-Society-Satire, Psychothriller – wäre der Film weniger überdreht, würde diese Mixtur grandios scheitern. Es geht um die Einsamkeit der Stars, um ihre Unfähigkeit, zu kommunizieren, loszulassen. Cronenberg spürt nach Cosmopolis erneut einem zutiefst soziopathischen Umfeld nach, das sich beinahe krankhaft reproduziert, und Robert Pattinsons Charakter Jerome Fontana (dessen Rolle als Limo-Fahrer schon an Metahumor grenzt) bewahrt sich als einziger seine Zugänglichkeit als Mensch, weil er sich vergebens darum bemüht, Eingang in diesen Zirkel zu finden. Unabhängig von den zynischen Spitzen fällt es nicht schwer, in diesem Bild des Hollywood-Mikrokosmos Glaubwürdigkeit zu finden, und darin liegt der Wert des Films als Satire, aber auch als Porträt.

Die Figuren sind auf fragile Weise überzeichnet, und man kann sich die Frage stellen, ob in der Welt, in der sie physisch und mental leben, die Geistererscheinungen, die zu den großartigsten Momenten von Howard Shores Score gehören, nicht eine ganz eigene Berechtigung haben. Die Kommunikation mit den Toten fällt leichter als mit den Lebenden. Für Havana, den Charakter der überragenden Julianne Moore, ist das ihre tote Mutter, die sie sexuellen Missbrauchs unterstellt und die ihr wiederholt erscheint. Die Möglichkeit der Therapie durch die Darstellung ihrer Mutter zieht Havana bewusst ins Lächerliche, dabei ist diese Identifikation mit dem Elternteil bzw. die mangelnde Möglichkeit dazu, das Fehlen der Kindheit, ein zentrales Motiv des Films, und von Cronenberg, der in A Dangerous Method Freud und Jung porträtierte, sicher nicht zufällig auf diese Weise angelegt. Evan Bird soll hier ausdrücklich gelobt werden für die Verletzlichkeit, die er in seine Rolle als Benjie einfließen lässt. Mia Wasikowska erliegt nicht der Versuchung, ihre Agatha in eine psychopathische Richtung zu lenken. Es geht nicht um den Regelbruch, es geht um die Regellosigkeit, um das Loslösen von jedem Bezugspunkt außer, letztlich, dem Tod, der zum Fluchtpunkt Freiheit – eben von der gerade bindenden Zügellosigkeit – wird; nicht das, was Paul Èluard im Sinn hatte, aber damit nicht weniger legitim oder akkurat. Möchte man dem Film etwas vorwerfen, wäre das die nicht perfekte Ausbalancierung, das schrittweise Verschwinden der satirischen Elemente aus der Story, während sie in den Figuren nach wie vor angelegt sind. Pattinson und Cusack werden nur unzureichend eingesetzt. Das sind letztendlich keine sonderlich großen Kritikpunkte. Über die Dauer seiner Laufzeit funkelt Maps to the Stars. Zu Cronenbergs Regietalent muss wohl nichts mehr gesagt werden, einzig gegenüber der Academy vielleicht.

Maps to the Stars (USA 2014) – Regie: David Cronenberg – Skript: Bruce Wagner – mit Julianne Moore, Mia Wasikowska, John Cusack, Robert Pattinson – 111 Min.

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