George R.R. Martin – A Game of Thrones: Kapitel 7-8

Mir fällt jede Woche auf, wie kurz diese Kapitel sind – man könnte locker vier, fünf davon lesen, wenn nicht auf jeder Seite etwas passieren würde.

„‚The things I do for love‘, he said with loathing.“

Kapitel 7 – Arya Stark

Was passiert

A Game of ThronesWährend Lord Starks Söhne sich auf dem Burghof im Trainingsduell mit den Prinzen messen, dürfen seine Töchter und die Prinzessin sich mit Nadel und Faden amüsieren – eine Rollenteilung, die zumindest Arya, Neds jüngster Tochter, nicht besonders schmeckt. Ihr Talent zum Sticken hält sich ohnehin in Grenzen. Nach einem Streit mit Sansa, ihrer Schwester, stürmt sie hinaus und findet Jon Snow, ihren Bastardbruder, mit dem sie sich gut versteht. Beide beobachten, wie Bran und Prinz Tommen sich im Hof duellieren. Prinz Joffrey, „the little shit“, dagegen hält Trainingsschwerter für unter seiner Würde.

Was Sache ist
Obwohl dieses Kapitel einen der stärksten Charaktere der Serie vorstellt – go, Arya! – geht es offensichtlich um etwas anderes: GRRMs Solidarisierung mit Außenseitern aller Art. In jedem seiner Interviews wird zumindest indirekt deutlich, dass er ein Herz hat für „cripples, bastards and broken things“ und was sonst noch so in diese Aufzählung passt – rebellische Mädchen zum Beispiel, die beim besten Willen nicht in ein Leben als duldsame, fürsorgliche Hausfrau und Mutter passen. „‚Girls get the arms but not the swords. Bastards get the swords but not the arms. I did not make the rules, little sister.'“ Dass dann und wann der Außenseiter eben doch die Oberhand behält, wird sich, auch wenn A Song of Ice and Fire deshalb nun wirklich nicht klischeefrei zu nennen ist, natürlich als ein beherrschendes Thema der Serie herausstellen. Aber hey, nicht vorgreifen. Sansa ist offensichtlich die klassische Tochter aus gutem Haus, auch wenn sie offenbar lieber mit ihren Freundinnen über Prinz Joffrey tuschelt, als die Prinzessin zu unterhalten, was mich ein wenig wundert. Auf der anderen Seite ist Myrcella dem Anschein nach nicht gerade ein Charmebolzen. Ich liebe es, wie Arya in Gedanken die Schuld, die Aufmerksamkeit der Septa angezogen zu haben, auf Sansa abschiebt, obwohl es ganz klar an ihr lag. Außerdem fehlt ihr das dezidierte Klassenbewusstsein, das Sansa auch und gerade gegenüber Jon an den Tag legt (auch wenn beide eigentlich nie miteinander interagieren). Umso mehr mag ich die Beziehung zwischen Jon und Arya. Wir lernen Gregor Clegane kennen, einen von Brandnarben gezeichneten Kämpfer im Dienste der Lannisters, der Robb Stark provoziert, woraufhin Robb sich wie ein absoluter Idiot verhält, was ich mal auf sein Alter schiebe, aber selbst mit 14 sollte man wissen, dass man sich von arroganten Sprösslingen anderer Adelsfamilien nicht so einfach triezen lassen sollte. Kann Kriege auslösen, sowas.

Kapitel 8 – Bran Stark

Was passiert
Bran Stark fröhnt seiner Leidenschaft, über die Mauern und Türme Winterfells zu klettern, und denkt gleichzeitig über seine Zukunft nach – darüber, dass er mit seinem Vater in den Süden gehen wird. Er freut sich darauf, eines Tages ein Ritter zu werden, vielleicht sogar in der King’s Guard zu dienen – einem Zirkel der besten Ritter der Königslande, per Eid an den König gebunden, so wie Jamie Lannister, der jedoch seinen Eid gebrochen und den Mad King Aerys Targaryen verraten und getötet hat. Während seines Ausflugs hört Bran Geräusche in einem der Türme. Er beobachtet ein Pärchen beim Sex: Die Königin, wie er bemerkt, und ihr Zwillingsbruder, Jaime. Als sie ihn bemerken, stößt Jamie Bran aus dem Fenster in die Tiefe.

Was Sache ist
So, das Kapitel. Das Kapitel, nach dem Leser in der Regel entscheiden, ob sie das Buch nun hassen oder lieben (ich lasse mal subtil im Dunkeln, zu welcher Gruppe ich gehöre), und im wahrsten Sinne des Wortes ein Cliffhanger. Überdies hat es unter den Fans natürlich den wunderschönen Begriff Twincest inspiriert. Cerseis und Jamies Beziehung ist nach all dem Gerede über reichlich lieblose Zwangsheiraten eigentlich recht sympathisch, aber darum geht es ja auch nicht. Beide unterhalten sich nämlich über Jon Arryns Tod, und ohne dass sie es zugeben, wird implizit, dass sie daran mitgewirkt haben, in der Hoffnung, die Machtbasis der Lannisters gegenüber Robert zu stärken, weshalb sie die Ernennung Neds zur Hand of the King als Bedrohung ansehen. Cersei vermutet (zu recht), dass Lysa Ned bereits gegen die Lannisters aufgebracht hat, und sehnt recht offenherzig Roberts baldiges Ableben herbei, weil Joffrey auf dem Thron ja soo eine gute Idee zu sein scheint. Jamie dagegen interessiert sich mehr für Cersei als für Politik und sieht das alles deutlich entspannter – was ihn nicht davon abhält, Bran aus dem Fenster zu werfen. Okay, Arschloch-Move. Zwar irgendwie auch wieder verständlich, was soll er sonst machen, aber einmal Königsmörder, immer skrupellos – wenn ich Robert wäre, würde ich mich nach neuen Leibwächtern umschauen. Jedenfalls bekommen wir einen ersten Einblick in das Schlangennest, in das Ned sich meint, wagen zu müssen. „He [Robert] might have easily named one of his brothers, or even Littlefinger, gods help us. Give me honorable enemies rather than ambitious ones, and I’ll sleep more easily by night.“ Hätte also Alternativen gegeben, Ned. Obendrein welche, die Jamie nicht zu schmecken scheinen, was sie gleich sympathisch macht.

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