George R.R. Martin – A Game of Thrones: Kapitel 11-12

„Her wedding must have been especially blessed; before the day was over, a dozen men had died.“

Horselords bei Martin und Horselords bei Tolkien – kaum auseinanderzuhalten.

Kapitel 11 – Daenerys

Was passiert

A Game of ThronesVor den Mauern der freien Stadt Pentos richtet Magister Illyrio die Hochzeit von Daenerys Targaryen und Khal Drogo aus. Als Gegenleistung für die Heirat erhält Illyrio ein Vermögen und Viserys die Aussicht, seinen Thron in Westeros zurückzugewinnen. Niemand macht sich Gedanken über Dany, die von den barbarischen Ritualen der Dothraki befremdet und verängstigt ist – umso mehr von ihrem zukünftigen Ehemann, der kaum ein Wort ihrer Sprache spricht. Zur Aufmunterung dienen allenfalls die viele Hochzeitsgeschenke: Ser Jorah überreicht ihr Bücher über die Geschichte von Westeros, und Illyrio schenkt ihr drei versteinerte Dracheneier.

Was Sache ist
Vorab, ich kann dem Ende des Kapitels nicht viel abgewinnen. Hormone hin oder her, ein zu Tode geängstigtes dreizehnjähriges Mädchen vergisst nicht plötzlich, dass es von ihrem psychopathischen Bruder an einen Barbarenfürsten verkauft wurde, nur weil der sich als etwas zärtlicher herausstellt als erwartet. A Game of Thrones ist nicht immer lupenreiner Feminismus, was man bei aller zurecht gelobten realistischen Darstellung arrangierter Ehen und sexueller Ausbeutung von Frauen nicht vergessen sollte. That being said, letzteres trifft auf dieses Kapitel natürlich voll und ganz zu. Es ist schwer, nicht mit Dany zu fühlen, die zu diesem Punkt der Geschichte vollkommen machtlos und einer patriarchalen Welt ausgeliefert ist, die sie behandelt wie einen ersetzbaren Gebrauchsgegenstand, und nicht zu vergessen: Sie ist im Buch noch einmal deutlich jünger als in der Serie, was die ganze Angelegenheit umso erschreckender macht. Über Viserys ist genug gesagt worden, welches Spiel Illyrio spielt, bleibt noch im Dunklen, und zumindest Ser Jorah scheint (bis zum nächsten Kapitel) kein völlig schlechter Kerl zu sein, auch wenn es ebenso wenig in seiner Macht liegt, Dany zu helfen. Belassen wir es dabei. Mir fällt erst jetzt auf, dass GRRM hier bereits seine Tradition blutiger Hochzeiten einläutet: „A Dothraki wedding without at least three deaths is deemed a dull affair.“ Dabei können diese Wilden von den zivilisierten Männern des Westens noch etwas lernen. Übrigens wundere ich mich ein wenig darüber, dass Khal Drogo Wert auf so etwas wie eine standesgemäße Hochzeit legen sollte. Die Kultur der Dothraki deutet wenig darauf hin, dass sie so etwas als bedeutsam empfinden sollten.

Kapitel 12 – Eddard

Was passiert
Nachricht über die Hochzeit dringt schnell bis nach Westeros: Auf dem Ritt in den Süden besprechen Robert und Ned die mögliche Bedrohung durch die Allianz zwischen Dothraki und Targaryens, übermittelt durch Ser Jorah, der für Lord Varys, Roberts Master of Whisperers, spioniert. Robert in seinem Hass auf das alte Herrschergeschlecht ist darauf aus, Dany ermorden zu lassen, wovon Ned ihn vergeblich abzubringen versucht. Das gleiche gilt für Roberts Vorhaben, Jamie Lannister zum Warden of the East zu ernennen.

Was Sache ist
Da ist die Sympathie für Ser Jorah dahin. Ein Sklavenhändler, der auf eine royale Amnestie aus ist – okay, wir werden noch mehr über Jorah hören, und ich habe irgendwie schon Verständnis dafür, dass er Viserys nicht für einen erfolgversprechenden Lehnsherr hält. Die Berichterstattung zwischen Essos und Westeros scheint jedenfalls recht vielversprechend zu funktionieren; leider fehlt durch den episodischen Schreibstil manchmal ein wenig das Gefühl für die Zeit, die zwischen den einzelnen Kapiteln vergeht. (Genauso wenig, wie wir wissen, welche Distanz zwischen Westeros und Essos liegt, was für die Qualität der Bedrohung durch die Dothraki nicht ganz unerheblich ist.) Master of Whisperers klingt nach einem interessanten Job, aber auch dazu später mehr. Ich bin auch in diesem Kapitel wieder etwas verwirrt über die Chronologie der Ereignisse während Roberts Rebellion – speziell, dass Ned Schlachtem im Süden der Königslande schlägt, lange bevor King’s Landing gefallen ist. Das scheint jedweder Logik über Grenzverläufe entgegen zu stehen, zumal King’s Landing durch die Domäne der Baratheons recht weitläufig vom Gebiet der Loyalisten Tyrell und Martell abgeschnitten gewesen sein muss, nicht zu reden von der relativen Nähe zu Vale und Riverlands, die bekanntlich Teil der Rebellion waren. Und dann, natürlich, verrät es einiges über die Dynamik zwischen Ned und Robert, dass Robert derart zufrieden auf die Ermordung von Rhaegars Kinder reagiert, ohne dass die Targaryen zu diesem Zeitpunkt irgendwelche ihm nahestehenden Personen ermordet haben (der Tod von Lyanna kommt viel später), während Ned zu Recht entsetzt und erzürnt reagiert, selbst nachdem Aerys seine halbe Familie zu Tode gefoltert hat. Ich frage mich, wie Ned sich wohl als König gemacht hätte – tendenziell besser in Sachen Haushaltsdisziplin, aber wohl mindestens ähnlich schlecht in puncto das Reich zusammen halten.
Jamie als Warden of the East? Gut, das würde etwas bedeuten, wenn wir tatsächlich wüssten, was genau die Aufgabe der Warden ist, was in der gesamten Reihe eher vage angedeutet als tatsächlich ausgesprochen wird. Der Posten scheint eine Art oberster General zu sein, um Hierarchiestreitigkeiten zwischen den einzelnen Häusern zu vermeiden, und in diesem Sinne ist es natürlich eine ausgesprochen dumme Idee, Jamie zu ernennen, zumal die Aussicht, Cersei damit nachhaltig zufrieden zu stellen, wohl nicht die größte ist, und das dürfte Robert auch wissen. Es zeigt jedenfalls einiges über das Misstrauen, das zwischen Robert und seinen Brüdern herrscht – dummerweise; mit Stannis als Hand of the King hätte die Geschichte sicher einen etwas anderen Verlauf genommen. Aber hey, you can’t always get, what you want. Anderes, viel wichtigeres Thema: Wir erfahren ein wenig mehr über Jons Herkunft, wenn auch aus Roberts Mund: „There was that one time … what was her name, that common girl of yours?“ Ihr Name lautete Wylla, und Ned wiegert sich entschieden, über sie zu sprechen, geschweige denn die Umstände, die ihn dazu gebracht haben, seine ihm so wichtige Ehre für einen Moment zu vergessen. Später lesen wir übrigens, in einem scheinbar anderen Kontext, über Ned: „Troubled sleep was no stranger to him. He had lived his lies for fourteen years, yet they still haunted him at night.“ Aus dem Kontext geht interessanterweise nicht hervor, um welche Lügen es sich da handeln soll, und natürlich habe ich diesen Satz beim ersten Mal locker überlesen, aber er ist doppelgründig und sollte ihm Hinterkopf behalten werden.

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