George R.R. Martin – A Game of Thrones: Kapitel 17-18

„North and north and north he looked, to the curtain of light at the end of the world, and then beyond that curtain. He looked deep into the heart of winter, and then he cried out, afraid, and the heat of his tears burned on his cheeks.“

Kapitel 17 – Bran

Was passiert
A Game of ThronesBran träumt vom Fallen. In seinem Traum begegnet ihm eine dreiäugige Krähe, die ihn dazu bringen will, zu fliegen. Sie besteht darauf, dass er Flügel habe und fliegen könne. Während Bran fällt, sieht er alles, was in und um Winterfell passiert – Robb beim Trainieren, den Aufbruch von Catelyn und Ser Rodrik, Ned und die Gesellschaft des Königs auf der Reise nach Süden, Jon nordwärts bei der Night’s Watch, und jenseits der Mauer noch etwas anderes, eine unbekannte Bedrohung. Die Krähe erklärt, dies sei der Grund, weshalb Bran leben müsse. Bran versteht, beginnt zu fliegen – und wacht auf.

Was Sache ist
Okay, Traumdeutung. Wobei wir aus der Schilderung real passierender Ereignisse wohl schließen können und sollen, dass es sich um mehr als nur einen Traum handelt. Eine Art Vision also, die entweder Bran selbst geschaffen hat oder die ihm von jemandem gewährt wurde – der dreiäugigen Krähe, steht zu vermuten, ob nun real oder metaphorisch. Ein paar Dinge: Der Weirwood bemerkt, dass er von Bran beobachtet wird, und starrt zurück – wohl eine ähnlich andere Art des Sehens wie das dritte Auge der Krähe, die also vermutlich auf irgendeine Art mit den Bäumen zusammen hängt. Bran sieht „a storm […] ahead of“ Catelyn und Ser Rodrik, wobei noch zu klären bleibt, ob real oder metaphorisch. Die „shadows all around“ Ned und den Mädchen sind offensichtlich im übertragenen Sinne zu verstehen, immerhin sind zwei davon klar als Jaime und Sandor Clegane zu identifizieren. „Over them both loomed a giant in armor made of stone, but when he opened his visor, there was nothing inside but darkness and thick black blood“ – eine Textpassage, die ich völlig vergessen hatte und auch nicht wirklich zuordnen kann. The Mountain? Weiter geht es mit der Bestätigung, dass es tatsächlich noch Drachen gibt, im fernen Asshai, und dann Richtung Norden, „deep into the heart of winter“. Ich frage mich, ob „Winter is coming“ in dem Fall nicht sogar wortwörtlich zu verstehen sein könnte? Also ein personifizierter Winter, der … hm, das klingt nicht wirklich nach Martin. Jedenfalls teilt die Krähe Bran relativ unverblümt mit, dass er derjenige ist, der aufhalten muss, was auch immer im Norden passiert, siehe den Prolog. Und Bran reagiert darauf natürlich, indem er seinen Wolf Summer tauft – der Wolf, in den er später hinein wargt, der er wird – okay, ich finde diese Personifikationstheorie tatsächlich irgendwie plausibel. Abgeheftet unter „Abwarten“.

Kapitel 18 – Catelyn

Was passiert
Cat und Rodrik Cassel treffen in King’s Landing ein. Ser Rodrik macht sich auf die Suche nach dem Waffenmeister des Königs. Während seiner Abwesenheit erhält Cat Besuch von der Stadtwache, die sie auf Geheiß von Lord Petyr „Littlefinger“ Baelish zum Palast eskortiert. Baelish war einst ein Müdel am Hof der Tullys und in Cat verliebt. Nun ist er Meister der Münze und klärt Cat, im Beisein von Lord Varys, dem Master of Whisperers, darüber auf, dass der Dolch ihm gehörte – er habe ihn bei einer Wetter an Tyrion Lannister verloren.

Was Sache ist
Varys und Littlefinger, auf einmal. Hach. Der Master of Whisperers (deutsche Übersetzung?) ist ja so etwas wie der Geheimdienstchef von Westeros, nicht unbedingt ein gebräuchliches Amt an mittelalterlichen Königshöfen, wenn ich mich nicht irre – sehr wahrscheinlich ein Überbleibsel eines paranoiden Targaryen, vielleicht sogar Aerys‘ II. selbst, auch wenn es natürlich Sinn ergibt, dass Robert das Amt nach seinem Sieg nicht sofort abgeschafft hat, immerhin schwirren noch genügend Targaryen-Loyalisten in den Seven Kingdoms herum. „He was a spider, she thought wildly, an enchanter or worse“ – herrlich, diese medievale Tendenz, sofort zu übernatürlichen Erklärungen zu greifen – selbst für die sonst halbwegs rationale Cat. Bei Varys und Littlefinger frage ich mich natürlich jedesmal, woran ich bin – wie viel beide von den Plänen des jeweils anderen wissen und aktiv unterstützen, billigen oder zu sabotieren versuchen (und es ist natürlich eine Kombination von allen dreien). Wir wissen, dass Tyrion Brans Angreifer nicht geschickt hat, und später wird es plausibel genug werden, dass er das Messer nie besessen hat. Varys dürfte das wissen. Littlefinger scheint es nichts auszumachen, seine Anschuldigungen in Varys‘ Beisein auszusprechen – natürlich arbeiten beide auf einen erneuten Bürgerkrieg hin, aber aus verschiedenen Gründen. Die Frage ist, kennen beide die Motive des jeweils anderen? Es ist schwer vorstellbar, dass Varys Littlefinger in vollem Umfang in die Geschehnisse in spe von A Dance with Dragons eingeweiht hat, da beide einander natürlich nicht trauen. Trotzdem muss Littlefinger Grund haben zu glauben, dass Varys ebenfalls ein Interesse daran besitzt, Stark und Lannister gegeneinander auszuspielen (während Littlefingers Motiv für Varys natürlich klar erkennbar ist). Hier fehlt leider viel von ihrer Vorgeschichte und der Art und Weise, wie sie miteinander agieren, wenn beide unter sich sind – klar hätte es nie funktioniert, einen der beiden zum Viewpoint-Charakter zu machen, trotzdem bleibt dadurch vieles auf der Strecke. (Und ist es nicht mal wieder bezeichnend, dass ich nur über V/L geschrieben habe, und kein Wort zu Catelyn?)

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