George R.R. Martin – A Game of Thrones: Kapitel 19-20

„Why is it that when one man builds a wall, the next man immidiately needs to know what’s on the other side?“

Kapitel 19 – Jon

Was passiert
A Game of ThronesLord Snow verabscheut Castle Black und die Nachtwache, der er sich angeschlossen hat – insbesondere den Ausbilder, Ser Alliser Thorne, und seine Kameraden, die er beim Training mit der Waffe mühelos demütigt und sich damit Feinde macht. Donal Noye, der Schmied von Castle Black, weist ihn darauf hin, dass nicht jeder der Nachtwächter von einem Waffenmeister geschult worden ist, und Tyrion gibt ihm den Ratschlag, sich nicht von höhnischen Spitznamen demütigen zu lassen. Trotz allem wäre Jon lieber mit Benjen gen Norden geritten, doch sein Onkel und seine Begleiter werden inzwischen vermisst.

Was Sache ist
Ach Jon – you know nothing. Selbst für einen Vierzehnjährigen geht er erstaunlich ahnungslos durch’s Leben, dabei sollte man meinen, als Bastard wäre man einer gewissen Notwendigkeit ausgesetzt, seine Sinne beisammen zu halten. Ich mag Donal Noyes Auftritt und finde es schade, dass er nicht öfter auftaucht. Schön ist natürlich auch wieder die Jon/Tyrion-Interaktion. „Let them see that their words can cut you, and you’ll never be free of the mockery. If they want to give you a name, take it, make it your own. Then they can’t hurt you with it anymore.“ Wunderbar. Jon lernt, dass Bran überlebt hat, macht ein paar neue Freunde und einen Erzfeind, etc. Interessanter sind ein paar Dinge, die wir über die Night’s Watch erfahren – einmal natürlich die Zunahme an verschwundenen Rangern und dann natürlich die Tatsache, dass Castle Black nur noch ein Zehntel seiner ursprünglichen Stärke besitzt und nur drei von 19 Festungen überhaupt noch bemannt sind – kollektives Versagen von Targaryen und Starks über die letzten paar hundert Jahre hinweg, würde ich sagen. Auf der anderen Seite ist die Night’s Watch halt auch ein einziger Denkfehler. Natürlich ist es schwer, auf Dauer einen Orden am Leben zu erhalten, der auf Lebenszeit verpflichtet, kein sonderlich angenehmes Leben bietet und, das ist zentral, keiner übergeordneten Ideologie, sei es Religion oder etwas Anderes, dient, wie die Septone oder Maester. Wenn deine hauptsächliche Zuwachsquelle zwangsverpflichtete Vergewaltiger sind, dürfte dein Unternehmen im Großen und Ganzen zum Scheitern tendieren. Noch ein Wort zum Worldbuilding: Eines der nettesten Gimmicks von Westeros sind die zu allen Seiten außer Norden offenen Festungen der Watch. Großartig gedacht.

Kapitel 20 – Eddard

Was passiert
Ned trifft mit der ganzen Baggage in King’s Landing ein und wird sofort zu einem Treffen des Kleinen Rates gerufen – der Anlass ist ein Turnier, dass Robert zu seinen Ehren ausrichten will, ohne sich auch nur im Geringsten für die bereits immensen Schulden der Krone zu interessieren. Nach dem Treffen des Rates – The King, The Hand, Master of Coins (Littlefinger), Master of Whisperers (Varys), Master of the Fleet (?, Stannis Baratheon, abwesend), Captain of the King’s Guard (Barristan Selmy, abwesend), Grand Maester (Pycelle), Master of ? (Renly) – bringt Littlefinger Ned zu Catelyn. Er trägt ihr auf, zurück Richtung Winterfell zu reiten und den Norden für einen Krieg zu mobilisieren.

Was Sache ist
Wie viel sind 6 Millionen Goldstücke in Euro? das europäische Mittelalter hatte eine recht laxe Auffassung von Schulden, die meist nach ein paar Jahren getilgt wurden, da es Prä-Kapitalismus nicht als sonderlich rational galt, dafür zu sorgen, dass ständig sämtliche Schuldner pleite gingen. Aus dem Kapitel geht nicht wirklich hervor, ob es hier ein ausgeklügeltes Zinssystem gibt, oder ob die Krone zinsfrei borgen kann – bei Lord Tywin vermutlich, immerhin muss der davon ausgehen, dass sein Enkelsohn den Schuldenberg erbt, weshalb mich die Freigebigkeit der Lannisters leicht verwundert. Andere Instanzen wie die Iron Bank, wie später einmal erläutert, tendieren säumigen Schuldnern gegenüber dazu, einfach ihre politischen Gegner zu unterstützen, was in Friedenszeiten natürlich eher ineffektiv ist. Trotzdem stellt der Quasi-Bankrott der Krone natürlich ein leichtes Problem dar, das im weiteren Verlauf der Handlung noch gewichtiger werden dürfte. Ich mag die Einführung des Kleinen Rates als mehr oder weniger inkompetentes Debattiergremium – „I am surrounded by flatterers and fools, the king had insisted. Ned looked down the council table and wondered which were the flatterers and the fools. He thought he knew already.“ Vermutlich zurecht, allerdings übersieht der Gute, dass er selbst in einer dieser Kategorien gut aufgehoben wäre. Die Szene, in der Littlefinger Ned zu einem Bordell lotst und dafür beinahe Neds Zorn zu spüren bekommt, gehört zu meinen Favouriten, wie überhaupt die offensichtliche Überlegenheit Littlefingers, der Ned und Catelyn ziemlich nach Belieben manipuliert, so weit, dass Cat ihn zu einem verlorenen Bruder erklärt, auch wenn Ned ihm immer noch nicht traut. Immerhin lässt er aber anordnen, den Neck und White Harbour zu befestigen – und man darf an dieser Stelle ruhig einmal mehr anmerken, wie außerordentlich beschränkt man sein muss, sich in eine Situation zu manövrieren, in der man eine Mobilmachung anordnet, während man sich im tiefsten Feindesland befindet. War of Kings, let’s begin.

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