George R.R. Martin – A Game of Thrones: Kapitel 27-28

Zwei Kapitel und kein vernünftiges Eingangszitat. Schlechtes Zeichen?

Kapitel 27 – Eddard

Was passiert
A Game of ThronesNach und nach beginnt sich King’s Landung zu füllen mit Teilnehmern und Besuchern des Turnier der Hand aus allen Teilen des Königreichs. Ned, der an alledem keinen Teil haben möchte, brütet indes weiter über den Tod Jon Arryns. Die Befragungen der verbliebenen Bediensteten haben sich als fruchtlos erwiesen; immerhin weiß ein Stalljunge mitzuteilen, dass Lord Arryn häufig zusammen mit Stannis Baratheon, dem nun verschwundenen Bruder Roberts, ausgeritten ist. Ned stöbert die Schmiede auf, die beide gemeinsam besucht haben, und findet, dass einer der Lehrlinge ein unehelicher Sohn des Königs ist.

Was Sache ist
Ich mag diesen Mystery-Plot sehr gerne, wirklich gut eingesetzt – hilfreich, um über die teilweise schon handlungsarme erste Hälfte des Buchs hinwegzukommen. Ohne dass ich eine sonderlich emotionale Verbindung zu Jon Arryn hätte – von dem ich recht wenig weiß, außer dass er ein guter Mentor, eine mäßige Hand des Königs und ein miserabler Family Man war – gefällt dieses Rätsel, vor allem weil die Lösung für Ned und die Mädchen an diesem Punkt wirklich Leben oder Tod bedeuten kann. (Zumal Ned nicht gerade Sherlock Holmes ist. Nicht mal Dr. Watson.) Wir erfahren also, dass Arryn und Stannis (von dem in diesem Kapitel kein schmeichelhaftes, wenngleich durchaus ein realistisches Bild als mürrischer Puritaner gezeichnet wird, vor allem von seinem rungum verschiedenen jüngeren Bruder: „‚He goes to his marriage bed like a man marching to a battlefield'“) viel Zeit miteinander verbracht haben, und wissen an diesem Punkt, dass Varys, die Königin, Littlefinger und wahrscheinlich der halbe Rest von King’s Landing das ebenfalls mitbekommen haben. (Und Ned kommt natürlich nicht auf die Idee, sich zu fragen, warum Littlefinger und Varys ihn nicht darauf hingewiesen haben. Zugegeben scheint jeder in King’s Landing zurecht froh zu sein, dass Stannis auf Urlaub ist. Unbezahlt, steht für die Staatskasse zu hoffen.) Warum Ned sich über diese Verbindung wundert, obwohl es durchaus so klingt, als hätten sich da zwei gefunden, ist mir nebulös, aber gut. Bei seiner Recherche, wenn wir es denn so nennen wollen, trifft Ned Gendry, einen Schmiedelehrling und offensichtlich Roberts Bastardsohn, für dessen Ausbildung und Anonymität bezahlt wurde – Dinge, die offenbar in den Aufgabenbereich einer Hand fallen. Dieser Job – entsprechend wohl dem mittelalterlichen Kanzler/Chancellor – scheint so nervtötend zu sein, dass ich mich ernsthaft frage, warum Tywin Lannister solchen Wert darauf gelegt hat. Ich möchte jedenfalls nicht Hand of the King werden, danke der Nachfrage. Master of the Coin vielleicht, aber unter einem vernünftigen König, falls zufällig mal einer vorbeikommen sollte, irgendwann im Laufe dieser Reihe. Sidenote: Erste Auftritte von Janos Slynt sowie von Beric Dondarrion.

Kapitel 28 – Catelyn

Was passiert
Cat und Ser Rodrick reiten durch die Flusslande gen Norden. Sie kehren ein am Gasthaus am Kreuzweg, der die King’s Road (von Storm’s End und King’s Landing bis zur Mauer) mit der Goldroad (vom Vale of Arryn über Riverrun nach Casterly Rock) verbindet. Dort treffen sie nicht nur auf zahlreiche Gefolgsmänner der Tullys, sondern auch auf Tyrion Lannister und seine Begleiter, und Cat nimmt Tyrion unter Anklage des Mordes gefangen.

Was Sache ist
… and the war commences. Es wird ja gerne unterschlagen, dass der Krieg an diesem Punkt und also vonseiten der Starks vom Zaun gebrochen wird, auf keiner Grundlage als der, wie etabliert, wenig vertrauenswürdigen Aussage von Littlefinger. Catelyns Entscheidung ist so absurd und ersichtlich falsch, dass ich mich frage, ob man hohen Töchtern in Westeros nicht wenigstens ein bisschen Logik beibringen könnte. Sie gewinnt durch diese Festnahme nichts, verliert aber die Initiative, selbst den geeigneten Zeitpunkt zu wählen, um Beweise vorzubringen, die sie eindeutig an diesem Punkt nicht besitzt. Würde sie Tyrion einfach ziehen lassen, könnte Ned in aller Ruhe weiter im Schlangennest herumstochern (oder noch besser, sich endlich mit den Mädchen aus dem Staub machen), und das Risiko, dass Cat dann eine Geisel bräuchte, wäre ersichtlich gering. So beginnt sie das Spiel der Throne mit einem Einsatz, der in keinem Szenario mehr als rational durchgeht. Die Folgen werden noch zu lesen sein. In diesem Kontext nicht ganz unwichtig: Cat grübelt über einen möglichen Krieg nach und zweifelt daran, dass sich die Bannermänner ihres Vaters auf ihre Seite stellen würden, was sie während Roberts Rebellion zumindest nicht einhellig getan haben – prominentes Beispiel der Späte Lord Frey, der erst nach Ende der Schlacht auftauchte, was nicht unbedingt politischen Vorteil verspricht, oder um den guten Lord Denethor zu zitieren, „much must be risked in war“. Natürlich ist dieses fragile System notwendig, um nicht alle zehn Jahre eine Rebellion auszulösen, was ja so schon Gefahr genug zu sein scheint.

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