George R.R. Martin – A Game of Thrones: Kapitel 35-36

„Brothels are a much sounder investment than ships, I’ve found. Whores seldom sink, and when they are boarded by pirates, why, the pirates pay good coin like everyone else.“

(Der Ehrenplatz scheint mir zunehmend für Littlefinger reserviert zu sein.)

Kapitel 35 – Eddard

Was passiert
A Game of ThronesIn dem Bordell, auf das Littlefinger gestoßen ist, findet Ned ein weiteres von Roberts unehelichen Kindern. Es scheint, als wäre Jon Arryn für sein allzu großes Interesse an den Bastarden des Königs getötet worden, aber Ned kann sich keinen Reim darauf machen. In Gedanken versunken, wird er auf dem Rückweg zum Palast von Jaime Lannister und seinen Männern überrascht. Der Königsmörder hat von der Gefangennahme Tyrions durch Catelyn erfahren und fordert Ned heraus. Um seinen Bruder nicht zu gefährden, beschränkt er sich jedoch zunächst darauf, Neds Männer niederzumetzeln.

Was Sache ist
(Poor Jory … Moving on.) Ich vergesse, dass das hier mehr oder minder das zweite Kapitel ist, in dem Jamie eine größere Rolle spielt. Also nach Brans Sturz gleich der nächste Dick-Move, wenngleich aus seiner Sicht natürlich durchaus gerechtfertigt, zumal Tyrion ja uuuunschuldig ist. Nichtsdestoweniger sagt es gewisse Dinge über Jamies Charakter (und sein Verhältnis zu Robert) aus, wenn er lieber einen Bürgerkrieg auslöst, als die Angelegenheit vor den König zu bringen. Mit etwas Distanz, die ich beim ersten Lesen vermutlich nicht hatte, kann ich das gut verstehen, wenn es auch völlig irrational und stupid ist (und Littlefinger dazu gezwungen wird, sich zu positionieren, was ihm wahrschienlich nicht besonders gefällt). Ich bin geographisch ein wenig herausgefordert; der Logik der Sache her scheint mir Tyrions Gefangennahme maximal ein paar Tage her zu sein, und vom Inn über Casterly Rock zu reiten ist ein dreimal so weiter Weg als bis direkt nach King’s Landing, aber vielleicht bringe ich nur wieder die Zeitabstände zwischen den Kapiteln durcheinander, was mir häufiger passiert und eine der Schwachstellen des Buches zu sein scheint, was Martins Deskriptivität angeht. Handlungsintern ergibt das sogar Sinn; Zeitlichkeit spielte im Mittelalter im Vergleich zu Räumlichkeit eine entschieden geringere Rolle als heute, logisch. Trotzdem sorgt das ab und an für Fragezeichen bei mir.

Ansonsten ist dieses Kapitel ein sehr zentrales in Sachen L+R; Ned erinnert sich im Zusammenhang mit Roberts Bardtardtochter an „the promises he’d made Lyanna as she lay dying, and the price he’d pay to keep them“ (welche Versprechen? Welcher Preis?) und erinnert sich eine Seite später „for the first time in years“ an Rhaegar Targaryen, dem er keine besonders starken Gefühle entgegen zu bringen scheint (für, you know, den Mann, der dem Vernehmen nach seine Schwester getötet hat). Außerdem scheint Lyanna nicht furchtbar viel für Robert übrig gehabt zu haben. Subtil genug, um nicht sofort ins Auge zu fallen, trotzdem eindeutig genug, um von vielen inzwischen quasi als Canon behandelt zu werden. (Das hauptsächliche Gegenargument ist ironischerweise ja, dass es in der Serie kaum Andeutungen in diese Richtung gab.)

Kapitel 36 – Daenerys

Was passiertDas Khalasar trifft in Vaes Dothrak ein, der Mutterstadt der Dothraki. Sie ist überrascht von Jorahs harschem Urteil über Viserys, der zunehmend ungeduldig wird. Jorah bezweifelt, dass die Dothraki in der Lage wären, die Sieben Königslande zu erobern. Um Viserys aufzumuntern, beschließt Dany, ihm ein Geschenk zu bereiten.

Was Sache ist
Ich glaube, ich habe die Dothraki noch nicht so ganz verstanden. Es scheint mir nicht übermäßig einfach, die Kriegsbezogenheit mit den Märkten von Vaes Dothrak unter einen Hut zu bringen. Welche Notwendigkeit haben die Dothraki für Handel? Und wieso würde ich als Händler mit meiner Karawane ausgerechnet eine Stadt ansteuern, in deren Umkreis von hundert Meilen es nichts gibt außer plünderwillige Barbaren? Es wird zumindest nichts in der Richtung gesagt oder angedeutet, dass die Karawanen Richtung Vaes Dothrak unter irgendeinem heiligen Schutz stehen oder so. Wenn überhaupt, hätten die Dothraki wohl Dinge zu verkaufen, aber eigentlich kein Gold nötig. Im Kapitel heißt es aber, dass die Händler eher zum Verkaufen kommen. Hm. Ähnlich irrational ist Viserys‘ überragend eindimensionale Idiotie, die mir langsam auf die Nerven geht, und gut für Dany, sich endlich mal zu wehren. Ich mag Jorahs Fatalismus und seine spöttischen Anfälle – „Viserys could not sweep a stable with ten tousand brooms“ – auch wenn seine etwas lockere Haltung zu Sklavenhandel es tendenziell erschwert, ihn tatsächlich ins Herz zu schließen. (Auf der anderen Seite finde ich die allgemeine Akzeptanz einer Ständeordnung bei gleichzeitig resoluter Ablehnung von Sklaverei in Westeros auch eher lächerlich. Man sollte meinen, irgendein mehr oder minder wahnsinniger Targaryen wäre im Laufe der Zeit mal auf den Gedanken gekommen, dass Sklaverei seinem Königreich doch ganz gut zu Gesicht stehen würde. Nur so ein Gedanke.) Auch in diesem Kapitel: Geographie, aargh! Ich habe Riesenprobleme mit Essos als Kontinent, weil es in keinem der Romane eine Karte gab und zig Fan-Karten existieren, die die Relationen in Essos völlig verschieden anzeigen. Gibt es irgendwo was Offizielles?

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