George R.R. Martin – A Game of Thrones: Kapitel 37-38

„Perhaps the direwolf and the lion were not the only beasts in the woods.“

Kapitel 37 – Bran

Was passiert
A Game of ThronesMithilfe des von Tyrion konstruierten Sattels gelingt es Bran, wieder zu reiten. Robb und er unternehmen, begleitet von Theon und Maester Luwin sowie den Schattenwölfen, einen Ausflug durch die Winterstadt nahe der Burg hinein in die verschneiten Wälder. Dort berichtet Robb seinem Bruder von Jorys Tod und der schweren Verletzung, die Ned erlitten hat. Es obliegt nun ihm, sich zu entscheiden, ob er Theons Rat folgen und die Gefolgsmänner der Starks um sich scharen soll, um für Krieg zu rüsten. Unabsichtlich entfernen beide sich weit von ihren Begleitern und begegnen im tiefsten Wald einer Gruppe von Eidbrechern und Wildlingen.

Was Sache ist
Hier kommt jetzt die Quittung für die schlechte Personalpolitik in der Night’s Watch. Spannend, dass hier Wildlinge und ehemalige Nachtwächter gemeinsam nach Süden fliehen, offenbar auf der Flucht vor den Others. In dem Sinn – wie auch in jedem anderen auch -, Osha gefangen zu nehmen und zu befragen, vorausgesetzt, es kommt denn etwas dabei heraus. Wir sehen zu, wenn ich nicht irre, ersten Mal die Winterstadt, in die sich die Bauern des Nordens im Winter zurückziehen; eine kluge Konstruktion, wenngleich ich mir nach wie vor den Kopf zerbreche, wie man sich in einer Welt, die unregelmäßig lange Winter kennt, überhaupt so weit im Norden ansiedeln kann, und das ohne Zentralheizung. Das scheint mir eine ganz bestimmte Art von Menschen zu begünstigen, der Roose Bolton und Rickard Karstark oder die Umbers wohl näher kommen als Robb oder Sansa. (Ich würde hier fast einen strukturellen Nachteil des Starks als wichtigem Haus sehen, das entsprechend häufiger gezwungen ist, in Familien des Südens einzuheiraten und damit gewissermaßen südliche Charakterzüge zu adoptieren, die einem nicht unbedingt zum Vorteil gereichen, wenn der Winter kommt. Aber vielleicht denke ich da auch zu verwinkelt; im ASoIaF-Universum kommt dem Stark-Blut wohl noch mal eine etwas andere Bedeutung zu, als das in einer nicht-magischen Realität der Fall wäre.)

So oder so fände ich es nett, etwas tiefer in die Logistikprobleme der Jahreszeitenwechsel vorzudringen; ob also bei einem zehn Jahre andauernden Sommer auch die entsprechende Menge an Vorräten für einen ähnlich langen Winter aufbewahrt wird, und wenn ja wo, und wie? Kommt es vor, dass ein langer Winter auf einen kurzen Sommer folgt? Denn selbst wenn das nur einmal alle paar Jahrhunderte passiert, selbst wenn der Winter nur ein Jahr länger dauern sollte als der Sommer davor, sollte es die Bevölkerung des Nordens mindestens an den Rand des Aussterbens bringen oder eine Massenflucht nötig machen. Wie die richtig ablegenenen Siedlungen im Norden (wie Karhold oder vor allem Bear Island, die fast auf einer Höhe mit der Wall liegt) durch den Winter kommen, ist noch mal eine ganz andere Frage, und ich hoffe, in „The Winds of Winter“ etwas mehr Eindrücke zu bekommen. (Ich meine mich zu erinnern, dass die Winterstadt in „A Dance with Dragon“ noch nicht sonderlich bevölkert ist. Oder irre ich mich da?) Sei es drum, für den Moment bekommen wir ein wenig Direwolves-Action (yay!), etwas Robb-the-Lordling-Inaction (meh) und etwas Draufgängertum von Theon, der an diesem Punkt noch sehr Stark-loyal erscheint. Das behalte ich im Auge. Nebenbei: Hälfte des Buches mit diesem Kapitel (und damit der 19. Woche) überschritten.

Kapitel 38 – Tyrion

Was passiert
Tyrion wird von Lysa und Catelyn des Mordes an Jon Arryn sowie des versuchten Mordes an Bran beschuldigt und in die Himmelszellen geworfen, den halbseitig offenen Kerker der Arryns, der die meisten seiner Häftlinge in den Wahnsinn treibt. Nach einer Nacht dort lässt sich Tyrion unter dem Vorwand, seine Verbrechen gestehen zu wollen, in den Thronsaal bringen, wo er einen Prozess durch Duell verlangt. Lysa willigt ein, verweigert Tyrion jedoch seinen Bruder Jaime als Kombattanten, woraufhin der Söldner Bronn sich freiwillig meldet.

Was Sache ist
„The Arryns kept the only dungeon in the realm where the prisoners were welcome to escape at will.“ Ob es in der Eyrie (die ich jedes Mal falsch, wahrscheinlich wie im Deutschen, schreibe) auch normale Zellen gibt? Also, sagen wir mal, für Häftlinge, von denen man nicht möchte, dass sie jederzeit Suizid begehen können? Erschiene in diesem Fall ja nicht gänzlich unangebracht, schöne Foltermethoden hin oder her. Ich bezweifle allerdings, dass Lysa Arryn und strategisches Denken gut zusammenpassen, weniger noch als für ihre Schwester. Amüsant, dass Tyrions Wärter Mord heißt; hat man das in der deutschen Übersetzung geändert? Tyrion, der an der Zellentür rüttelt und „Mord, Mord“ schreit? (Zeter und, öhöm, Mordio, geradezu?) Sein „Geständnis“ ist natürlich amüsant, gehört aber auch zu den Szenen, aus denen die Serie noch einiges mehr herausgeholt hat, dank Peter Dinklages Performance, die obendrein die großartige Tyrion/Bronn-Nummer lostritt.

Nichtsdestoweniger ergeben sich auch hier ein paar Fragen, wie genau das Justizprozedere in den Sieben Königslanden eigentlich geregelt ist. Die Prozessregelung gilt wohl nur für Adelige, oder sogar nur der großen Häuser? Scheinbar darf aber das Oberhaupt eines großen Hauses nach Belieben über ein Mitglied eines anderen zu Gericht sitzen, ohne dass das in Frage stehende Verbrechen unbedingt unter dessen Zuständigkeit begangen sein muss. Diese Farce legt nahe, dass es de facto keine Regelung gibt und im Prinzip jedes Haus nach Belieben verfahren kann, solange es bereit ist, die Folgen zu verantworten. Gleichzeitig gibt es aber Regeln, an die sich allgemein gehalten wird, in diesem Fall der Prozess durch Duell (diese Übersetzung scheint mir ästhetisch nicht zufriedenstellend. Urteil durch Zweikampf?), während wiederum die Modalitäten dieses Duells der Willkür unterworfen bleiben, da es Tyrion nicht erlaubt ist, seinen Wunschduellanten zu bestimmen. Es bleibt darüber hinaus offen, ob es ein generelles Anrecht auf einen Kombattanten gibt. Ich mag die Szenerie (und auch das, was folgen wird), hätte mir aber auch hier etwas ausgefeilteres Worldbuilding gewünscht, auch wenn ich verstehe, dass eine juristisch strukturell systematisierte Gesellschaft nicht jedermanns Priorität in Fantasy-Romanen ist.

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