George R.R. Martin – A Game of Thrones: Kapitel 39-40

„‚What a jape the gods have made of us two‘, she said. ‚By all rights, you ought to be in skirts and me in mail.'“

Kapitel 39 – Eddard

Was passiert
A Game of ThronesNach einem Traum über die Rebellion, in der er mit seinen Gefährten den verbliebenen Wächtern des Königs gegenüber tritt, erwacht Ned verletzt in seinem Krankenbett im Turm der Hand. Alyn informiert ihn darüber, dass Jaime Lannister die Stadt in Richtung Casterly Rock verlassen hat, und dass der König Ned zu sehen verlangt. Ned, zu schwach zum Aufstehen, lässt ihn holen. Kurze Zeit später trifft Robert gemeinsam mit Cersei ein, die schwere Vorwürfe gegen Ned erhebt, woraufhin Robert die Geduld verliert. Er befiehlt Ned, weiterhin als seine Hand das Reich zu regieren, und kündigt an, selbst auf Jagd zu gehen.

Was Sache ist
Ugh, Robert. Es gab das Buch hindurch immer wieder Momente, in denen man gar nicht anders kann, als mit ihm zu sympathisieren. Das hier ist sicher keiner davon, aus mehreren Gründen. 1.) Häusliche Gewalt, die nicht besser dadurch wird, dass sie durch den König ausgeübt wird. (Die gegenseitige Verachtung, die Robert und Cersei einander entgegenbringen, ist fast schon tragisch, auch darin, dass sie eine Hauptursache für fast alles ist, was in „A Song of Ice and Fire“ passiert, und daran trägt Robert wohl den wesentlicheren Anteil, auch wenn die letztendliche Schuld bei Lyanna und Rhaegar liegt. Nichtsdestoweniger nutzt Roebrt seine Machtposition aus, um dieser Verachtung Ausdruck zu verleihen. Nicht okay, selbst wenn es zu einer der besten Dialogzeilen des Buches führt, die – auch hier wieder – in der Serie noch großartiger zur Geltung kommt: „‚I shall wear this as a badge of honor,‘ she announced. ‚Wear it in silence, or I’ll honor you again,‘ Robert vowed.“ Wie idyllisch ein Paralleluniversum sein muss, in dem Rhaegar ein Auge auf Cersei geworfen hat statt auf Lyanna … Idyllisch und, für uns, natürlich langweilig.)

2.) Seine vollkommene Uneignung als König, der lieber einen Jagdausflug vorbereitet, als nach jedem verfügbaren Strohhalm zu greifen, um sein Reich vor einem Bürgerkrieg zu bewahren. Man fragt sich, warum er die Krone überhaupt angenommen hat, anstatt sie Jon oder Ned zu überlassen. Tywin Lannister wäre ein besserer König gewesen. Sogar Stannis. „How do you fight someone if you can’t hit them?“ Konfliktfähigkeit, Viserys-Style. Ich muss immer wieder an die Stelle zurückdenken, in der er sich damit zufrieden gibt, ein besserer König zu sein als Aerys Targaryen, und frage mich, ob das denn eigentlich stimmt. (Immerhin hat Robert den Bürgerkrieg nicht eigenhändig provoziert, sondern bloß durch Untätigkeit hingenommen. Viel besser. Ansonsten hat Aerys es, dem Anschein nach, wenigstens fertiggebracht, das Reich nicht finanziell zu ruinieren, auch ohne einen Littlefinger.) Zu Neds Traum halte ich mich kurz. Wieder das Versprechen an Lyanna, dazu das unaufgelöste Rätsel, warum drei von sieben Königswächtern den Tower of Joy (mit Lyanna darin) bewachen anstatt den König oder seine Kinder. (Selbst gemessen an der R+L-Theorie scheint das unverhältnismäißg viel zu sein.) Was ich an der ganzen Angelegenheit nie so ganz verstanden habe, ist, warum Ned mit sechs adeligen Gefährten, aber ohne jedes Gefolge in diesen Kampf zieht. Ist das wieder so ein Ehre-Unsinn?

Kapitel 40 – Catelyn

Was passiert
Catelyn versucht vergeblich, Lysa davon abzubringen, Tyrion sein Duell zu gewähren. Ihr Onkel, Brynden, sieht das ähnlich und sagt Catelyn zu, nach dem Prozess mit ihr in Richtung Winterfell aufzubrechen. Bronn tritt Ser Vardis Egen in leichter Rüstung entgegen mit der Absicht, den alten Ritter zu ermüden, was ihm vortrefflich gelingt.

Was Sache ist
Lysa ist auch so eine Galeonsfigur, was Intelligenz angeht. (Eiichirō Oda hat mal auf eine Frage hin die schlausten Charaktere in „One Piece“ aufgezählt und hinzugefügt, die dümmsten könne er nicht nennen, da gäbe es einfach zu viele. Ich habe das Gefühl, das trifft häufig zu.) Es genügt fast schon, um zu vergessen, dass es Catelyns Idiotie war, die all das erst herbeigeführt hat. Wäre es Lysa gewesen, die Tyrion in dem Wirtshaus angetroffen hätte, hätte sie ihn wahrscheinlich an Ort und Stelle niedermetzeln lassen. Es gibt einen kurzen, pointierten (der Darstellungsweise nach bedeutsamen) Hinweis darauf, dass Lord Arryn seinen Sohn nicht als Mündel nach Casterly Rock, sondern nach Dragonstone zu Stannis bringen wollte. Ich erinnere mich nicht mehr, ob Catelyn ihre Falschinformation Littlefinger zu verdanken hatte, es scheint aber wahrscheinlich. Das überrascht uns nicht, weil wir Neds Perspektive kennen, lässt aber die Frage offen, ob Littlefinger bewusst gelogen hat und warum. (Er lügt ja in der Regel zweckgerichtet.) Mutzumaßen wäre, dass es auch hm, ähnlich wie Varys, in den Kram passte, Arryns Endeckung noch etwas länger im Dunkeln zu lassen.

Außerdem liegt die Schlussfolgerung nahe, dass Arryn vorhatte, seinen Sohn mit Stannis‘ Tochter (von der wir an diesem Punkt schon wissen oder auch nicht, ich bin mir unsicher) zu verloben, eine offensichtliche Vorkehr für den Kriegsfall. Es spricht Bände über die Nachteile, an den Hof in King’s Landing gebunden zu sein, andernfalls hätte Jon Arryn einzelne Lords des Tals längst in seine Pläne einweihen können, und auch das hätte vieles geändert. (Obwohl „A Song“ bekanntlich im Groben von den Rosenkriegen im 15. Jahrhundert inspiriert ist, erinnert die Fragilität der föderalen Sieben Königslande fast noch mehr an das Heilige Römische Reich deutscher Nation, wenngleich die Struktur natürlich eine etwas andere ist.) Sei es drum. Ich bin ein wenig von der fixen Idee eingenommen, dass die Prozessduelle in GRRMs Welt tatsächlich etwas über die Schuldigkeit aussagen; zumindest scheint „A Storm of Swords“ darauf hinzudeuten, auch wenn es ein mögliches Gegenbeispiel gibt – ich werde das näher im Auge behalten. Hier könnte es auf jeden Fall stimmen; wir wissen ja von Tyrions Unschuld. Unbeachtet dessen ist es ein großartiges Duell, wenn sein Ausgang auch nicht besonders unvorhersehbar ist. Schön auch der Auftritt des Blackfishs, so kurz er auch sein mag.

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