George R.R. Martin – A Game of Thrones: Kapitel 43-44

„We are about justice here, and what you seek is vengeance.“

Kapitel 43 – Eddard

Was passiert
A Game of ThronesWährend König Robert mit dem halben Hof auf der Jagd ist, sammeln sich im Westen die Armeen. Drei Lords aus den Flusslanden konfrontieren Ned, der als Hand des Königs Bittsteller empfängt, mit den Überlebenden eines Angriffs einer marodierenden Bande, die dem Anschein nach von Ser Gregor Clegane, Gefolgsmann von Tywin Lannister, angeführt wurde. Im Wissen, Lannister damit zu provozieren, befiehlt Ned einigen Lords und Rittern des Hofes, angeführt von Lord Beric Dondarrion, Männer um sich zu scharen und nach Westen auszureiten, um Clegane das Handwerk zu legen.

Was Sache ist
Es ist einer der stärksten Aspekte des Buches, wie Martin es schafft, massive Spannung aufzubauen durch Andeutungen darüber, was im Westen und in den Flusslanden passiert, ohne dass es auch nur einen einzigen Viewpoint-Charakter dorthin verschlägt. Er widersteht jeder Versuchung, der die meisten Fantasy-Romane ohne Weiteres erlegen wären: Ned persönlich nach Westen zu schicken, Catelyn nach Riverrun reiten zu lassen statt in das Tal von Arryn, schon an dieser Stelle einen Jamie-Viewpoint aufzumachen … Nichts davon, und das Buch profitiert massiv davon. (Hier zumindest; weniger vielleicht im nächsten Kapitel.) Ich denke, ichw erden an anderer Stelle noch einmal detailliert aufdröseln, wer an welcher Stelle und in welchem Maße zum Kriegsausbruch beigetragen hat; hier zumindest lässt sich feststellen, dass Ned selbst bewusst ist, dass tyrions Entführung das Aufrüsten losgetreten hat, und dass er selbst (trotz seiner Unsicherheit über Robert, trotz der Gefahr für seine Töchter, trotz des Bewusstseins, dass der Winter nicht mehr lange auf sich warten lassen wird) jede Alternative in den Wind schlägt und, anstatt etwa auf Roberts Rückkehr zu warten oder ihn aufzusuchen, Männer, inklusive seiner eigenen, in Lannister-Teritorium schickt.

Natürlich kann er davon ausgehen, im Recht zu sein. Gleichzeitig entscheidet er sich, dass dieses Recht ihm mehr wert ist, als den Frieden zu halten (und schickt damit womöglich Zehntausende in den Tod). Ich würde behaupten, dass dieser Moment letztlich der Kriegsausbruch ist, erklärt durch Ned Stark, der zwar als Hand des Königs auftritt, aber mit diesem Entschluss seine eigenen interessen vertritt. Juristisch eine richtige Entscheidung, philosophisch, ethisch, moralisch und selbst machtpolitisch eine diskussionswürdige Grauzone. Insbesondere ist auch bemerkenswert, dass Ned in diesem Moment maßgeblich als Kriegsherr auftritt und daneben die gute Herrschaft außer acht lässt (und damit etwa das tut, was er in Gedanken Edmure Tully vorwirft), wenn er Ser Loras brüskiert. Die Entscheidung, ihn nicht auszusenden, ist wohl vertretbar; zumindest hätte er aber überlegen müssen, ob ihm, Robert und dem Reich nicht am Besten gedient wäre, Loras nach der Sitzung beiseite zu nehmen und postwendend mit einem Bittgesuch nach Highgarden zurückzuschicken, optimal mit Renly im Schlepptau. (Ja, es hätte nichts mehr verändert; das kann ned an diesem Punkt aber nicht wissen.) Wenn nicht an anderer Stelle, dann zeigt sich spätestens in diesem Kapitel, dass Neds Ernennung zur Hand eine der größten von vielen Fehlentscheidungen war.

Kapitel 44 – Sansa

Was passiert
Sansa ist entsetzt darüber, dass Ned plant, sie und Arya zurück nach Winterfell zu schicken und ihre Verlobung mit Joffrey aufzulösen.

Was Sache ist
Hey, ein Satz Zusammenfassung – dürfte ein Negativrekord sein. Handlungstechnisch passiert wieder einmal kaum was, außer dass Sansa Ned unbewusst einen entscheidenen Hinweis zusteckt. Ned seinerseits macht den sehr paternalistischen Fehler, sich nicht Arya und Sansa gegenüber zu erklären, weil: Sind ja nur Mädchen. So sehr mich Sansa-Kapitel an diesem Punkt aufregen: Das Mädchen ist leider sehr nachvollziehbar dazu erzogen worden, genau so zu sein; sich um nichts Gedanken zu machen als ihren Traumprinzen und ihren zukünftigen Nachwuchs. Ich denke, Martin baut hier sehr bewusst ein, dass eine protofeministische Erziehung die Handlung für ned noch mal in eine deutlich andere Richtung hätte steuern können. Es schimmert natürlich auch Martins Verachtung für typische Fantasy mit schwachen weiblichen Charaktere durch. Im Großen und Ganzen zum Haareraufen.

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