George R.R. Martin – A Game of Thrones: Kapitel 45-46

„When you play the game of thrones, you win or you die. There is no middle ground.“

Spätestens ab diesem Punkt sollte auf das Lesen der Zusammenfassungen verzichtet werden, wenn man das Buch noch nicht gelesen hat. (Wer macht denn sowas?)

Kapitel 45 – Eddard

Was passiert
A Game of ThronesNed meint, durch Sansas unbewusste Hilfe endlich das Rätsel um Jon Arryns Ermordung gelöst zu haben. Nachdem er die Vorbereitungen für die Abreise seiner Töchter getroffen und ein letztes Mal Littlefinger abgefertigt hat, begibt er sich in den Götterhain und lässt Cersei ebenfalls dorthin rufen. Auf seine Nachfragen hin gibt sie bereitwillig zu, dass ihre Kinder nicht die des Königs sind. Ned warnt die Königin, dass er Robert darüber nach dessen Rückkehr in Kenntnis setzen wird, und rät ihr, bis dahin die Stadt und am besten Westeros verlassen zu haben, gemeinsam mit Jaime und den Kindern.

Was Sache ist
Seufz. Es gibt dieses Cliché selbstzufriedener Bösewichte, die dem auserkorenen Opfer, den Kanonenlauf an der Schläfe, (und natürlich dem Publikum) erst einmal ausführlich ihren kompletten Plan erklären müssen, um die nötige Zeit zu schinden, bis John McClane aus einem Lüftungsschacht platzt oder Lieutenant Blueberry mit der Kavallerie eintrifft. Es soll wohl Spannung erzeugen, führt aber in der Regel eher zum Gegenteil. Hier, nun ja. Ned ist eindeutiger, als ich das in Erinnerung hatte, der Protagonist des Buches (das hier ist sein 12. PoV-Kapitel, im Vergleich zu sieben für Catelyn und sechs für Tyrion) und wohl so etwas wie der (stupid but) Good Guy in der ganzen Angelegenheit, der mehr als jeder andere dazu beiträgt, dass so etwas simples wie verbotene Geschwisterliebe einen katastrophalen Bürgerkrieg auslöst. Zu alledem möchte er die Lage auch noch verschlimmern, indem er Cersei in alles einweiht und ihr (der Königin des Reiches, von der er weiß und wiederholt reflektiert hat, dass sie in dieser Stadt deutlich zu viele Verbündete für seinen Geschmack hat) Zeit und Gelegenheit gibt, nach Belieben darauf zu reagieren, zumal er an dieser Stelle nahezu weiß, dass sie vor Mord nicht zurückschreckt (und er gerade noch darüber nachgedacht hat, wie dumm es war, beinahe seine komplette Wache in den Krieg zu schicken). So.

Ned ist echt ein Cliché für sich selbst – ein wandelnder Kommentar, warum die Fixierung kriegerischer Kulturen, vor allem in Fantasy-Büchern, auf Ehre und ehrenhaftes Handeln an jeder auch nur halbwegs durchdachten politischen Realität grausam scheitern muss. Nicht, dass es daran etwas zu deuten gäbe: Seine Intention ehrt ihn. Was ich getan hätte: Einen Frachter in die Freien Städte chartern, nach Einbruch der Nacht Cersei und die Kinder aus den Betten zerren und auf das Schiff schubsen. Dann sofort zu Robert reiten. Verstärkung aus der Reach und dem Norden rufen. Casterly Rock niederbrennen. Ehre hin oder her, an diesem Punkt sollte ihn der Verbleib von Jamie und Tywin einen Dreck scheren, speziell nach Brans Sturz und allem, was in der Vergangenheit war. Königreich gerettet, Buch vorbei, fast alle am Leben, Kornkammern voll, Winter kann kommen. Aber nein. Das beste, was er zustande bringt, ist Littlefinger, Varys und dem Rest zu misstrauen, aber das alleine hilft halt auch nicht weiter, wenn man ein Reich regieren möchte. (Ich sollte bei Gelegenheit mal darüber nachdenken, wen ich eigentlich nur am Geeignetsten halte, auf diesem vermaledeiten Thron zu sitzen. Es fallen auf Anhieb nicht furchtbar viele Namen ein.)

Kapitel 46 – Daenerys

Was passiert
Nach einem Ritual wird vorausgesagt, dass Danys Kind der Prinz einer alten Prophezeiung sein wird, „the stallion who mounts the world“. Kurz darauf findet ein Fest zu Ehren Khal Drogos statt, das unterbrochen wird von einem betrunkenen Viserys, der Dany mit einem Schwert bedroht, ein schweres Verbrechen in Vaes Dothrak. Drogo gibt ihm daraufhin die Krone, die Viserys versprochen wurde: Er schüttet einen Topf geschmolzenen Goldes über dem Targaryenprinz aus.

Was Sache ist
So long, Viserys, rechtmäßiger König der Sieben Königslande, was immer das in diesen Tagen wert ist. Auf der Liste geeigneter Personen, um ein Land zu regieren, dürfte er irgendwo unter King Robert und Hodor landen, vielleicht ein kleines Stück über Patchface. Auf jeden Fall eine sehr gelungene Art, zu sterben (auch wenn das, was letztendlich für seinen Untergang verantwortlich ist, sein westeroszentristisches Verständnis von arrangierter Ehe ist, was wieder mal ausgesprochen scharf geschrieben ist). Drogo hat ja richtig Fantasie (und lernt für Dany tatsächlich ein bisschen Common Tongue, was ich ausgesprochen süß finde, auch wenn es mich wohl doch etwas irritieren würde, wenn mein Significant Other meinen Namen nicht aussprechen könnte). Über barbarische Rituale schweige ich mich an dieser Stelle aus, um nicht selbst in die Eurozentrismusfalle zu tappen (Gold steht mir nicht). (Kann man Gold tatsächlich über einem einfachen Herdfeuer schmelzen?) Dieses Kapitel gibt sich außerdem Mühe, das Wort „Manhood“ möglichst häufig zu benutzen – am besten, als Dany „men whose braids are even shorter than their manhoods“ beschreibt. Man sollte öfter Manhood statt Penis sagen. (Alternativ lassen wir Richard Linklater für seinen nächsten Film ein GRRM-Skript verarbeiten … okay, ich höre jetzt auf.)

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