George R.R. Martin – A Game of Thrones: Kapitel 53-54

„A man who won’t listen can’t hear.“

Kapitel 53 – Bran

Was passiert
A Game of ThronesDie Bannermänner der Starks treffen in Winterfell ein, einer nach dem anderen, und Lord Robb hat alle Hände damit zu tun, sie unter Kontrolle zu halten. Der Abmarsch des Heeres gen Süden steht kurz bevor, und Robb lässt sich nicht davon abbringen, es selbst anführen zu wollen. Bran, in dem all die Lords und Ritter nur einen lästigen Krüppel zu sehen scheinen, ist betrübt über die Abreise seines Bruders, und Osha, auf die er und Hodor im God’s Wood treffen, überzeugt ihn davon, dass die wahre Gefahr im Norden zu suchen ist. Doch Maester Luwin schenkt Oshas Geschichten keinen Glauben.

Was Sache ist
Wow. Ein Riesenkapitel, in dem unglaublich viel passiert und noch mehr erzählt wird darüber, wie Westeros und Martins Welt funktionieren. Zunächst die Ankunft der Bannermänner, die sich um Robbs Gunst, oder besser diese und jene Ehren, streiten; die Stelle, in der Grey Wind Jon Umber zwei Finger abbeißt und Robb den Greatjon noch einmal davonkommen lässt, gehört zu meinen liebsten Szenen des ganzen Buches. Nicht weniger großartig in der Folge, dass Robb die Schrecken der Bolton’schen Folterkammern genauso sehr in Panik versetzen wie die Aussicht, Lord Cerwyns Tochter unverlangterweise in seinem Nachtlager wiederzufinden: reines Comedy-Gold, was natürlich nicht unbedingt der Schwerpunkt des Kapitels ist – eher schon das Meer der Verlorenheit, durch das Bran treibt oder getrieben wird, während sein ganzes gewohntes Leben zum zweiten Mal in kurzer Folge über ihm zusammenstürzt: Erst seine Lähmung, dann das (zumindest von ihm wahrgenommene) Zerbrechen seiner Familie. In diesem Sinne ist Bran sicherlich einer der interessantesten Charaktere der Reihe, und ich freue mich jedes Mal über eines seiner Kapitel, auch wenn sie im Strudel des Großen Ganzen manchmal etwas untergehen.

Wir sehen Osha wieder, die als Küchensklavin schuftet und typisch trocken (ob die Sex-Ed von adligen Kindern in Westeros üblicherweise aus dem Zuschauen von Stalltieren besteht? Verspricht sicherlich ein erfülltes Sexleben später …) ihre sexuelle Ausbeutung kommentiert – nicht, dass sie irgendetwas getan hätte, außer euch Idioten die Wahrheit zu erzählen. Hgrah! Sie vermutet, Hodor sei ein Halbriese, und erzählt von noch lebenden Riesen nördlich der Mauer; außerdem lässt sie beiläufig fallen, dass Mance Rayder, der King-beyond-the-Wall, eine Ex-Krähe ist, was, glaube ich, zum ersten Mal erwähnt wird. Dazu stellt sie in den Raum, dass die Götter des Nordens südlich des Necks keine Macht haben, über Robb und seine Männer zu wachen, weil es dort keine Weirwood-Bäume mehr gibt und die Götter daher keine Augen haben – diese Religion ist einfach spannend, und wir erfahren deutlich zu wenig darüber, oder generell den nördlichen Way of life: Die Starks scheinen, alles in allem, recht reformistisch drauf zu sein, vermutlich weil man als das größte Haus des Nordens automatisch stärker an den Rest des Reiches angebunden ist als die Boltons, Umbers oder Karstarks, von den Hügelclans ganz zu schweigen. Das „Keeping of the Old Ways“ findet dort wahrscheinlich genauso statt wie auf den Iron Islands, wir bekommen halt leider nur Andeutungen, wenn überhaupt.

Ich vermute übrigens, das gilt für die Charaktere selbst genauso: Ich kann mir kaum vorstellen, dass Ned Stark allzu viel darüber weiß, was in seinem Teil des Reichs vor sich geht (was sich ja später im Zusammenhang mit den Boltons zeigt; Robb kennt offenkundig Gerüchte, aber dem Anschein nach gibt es da wenig Konkretes); Reisekönige scheinen nicht en vogue zu sein, und der Norden ist geographisch so ausgedehnt und schlecht erschlossen, dass Rickard Karstark, Roose Bolton und co ihre Territorien wohl wie De-facto-Könige regieren und das seit tausenden von Jahren so gehandhabt wurde (was die spätere Entwicklung um Robb und Karstark umso gravierender erscheinen lässt). Das alles weißt natürlich auch auf die ungeheuren Distanzen hin, die selbst die Lords des Nordens von der Mauer und dem Geschehen nördlich davon trennen. Space matters, people. Mich würde interessieren, ob zum Beispiel Maege Mormont dem, was Osha zu sagen hat, etwas mehr Glauben schenken würde als Maester Luwin, der nicht aus dem Norden stammt und vermutlich nie weit über Winterfell hinaus gekommen ist. So viel zur Weisheit der Maester; nicht, dass ich ihm seinen skeptischen Rationalismus übel nehmen könnte. Das Problem liegt noch eher darin, dass selbst nördlich der Mauer noch ein so weites Land existiert, das praktisch befriedet ist (siehe Craster) und die Nachtwache nicht die Männer noch den Anlass hat, ihre Reichweite zu vergrößern und so tatsächlich mit dem Übernatürlichen in Kontakt zu kommen und die Kunde darüber zu verbreiten, was eben offensichtlich nach wie vor existiert. Zugegeben, es wäre deutlich einfacher, die Wildlinge (und Night’s-Watch-Deserteure, nicht wahr, Ned?), die man fängt, gründlich zu befragen und die Ergebnisse danach nicht zu den Akten zu legen, sondern sich mal Gedanken zu machen, ob da nicht vielleicht etwas in der Luft liegt – und sei es nur ein Wildlingsaufstand, den man sich womöglich mal ansehen sollte, anstatt sich zur Hand des Königs ernennen zu lassen. Just saying.

Kapitel 54 – Daenerys

Was passiert
Drogo plant, sein Khalasar nach Osten zu führen; die Sieben Königslande bedeuten ihm nichts. Dany, die einmal mehr von Heimweh geplagt wird, besucht den westlichen Markt und wird dort beinahe von einem Weinhändler vergiftet, doch von Jorah gerettet. Als Drogo von den Geschehnissen erfährt, schwört er, seinem Sohn den Eisernen Thron und die Sieben Königslande zum Geschenk zu machen.

Was Sache ist
Ich vermute, bis zu diesem Punkt verläuft Danys Storyline genau so, wie GRRM sie für senie ursprüngliche Trilogie geplant hatte: Die Vorbereitung für die Invasion der Dothraki in Westeros, ein durchaus spannendes Motiv, von dem ich hoffe, dass er es noch aufgreifen wird. Auch wenn ich mich ein wenig auf Danys ganz sicher in Band 53 der Reihe erfolgende Landung in Westeros freue, die aber so was von unter dem Motto „oh, das ist also meine Heimat. Hm. Irgendwie hab ich mir mehr vorgestellt“ verlaufen wird. Robert Baratheon macht sich die Dany-Bedrohung zur selbsterfüllenden Prophezeiung – und zieht sich, dank Jagdunfall, schön aus der Affäre, damit andere es ausbaden können. (Die Vorstellung, wie Robert in einem Fantasyhimmel sitzt und die Könige und Lords von Westeros auslacht, ist tendenziell schon herrlich.) Drogos Wutrede am Schluss ist allenfalls komisch und ist wohl einzusortieren unter „Szenen, die geschrieben einfach weniger gut funktionieren“, Punkt. Dagegen eine bunte, schöne Beschreibung des Bazaars, wobei der östliche Markt einfach spannender klingt und ich wirklich hoffe, dass die Fantheorie zutrifft, nach der Dany, Quaithes Kryptik folgend, Richtung Asshai segelt, um Westeros von Westen her zu erreichen (meinetwegen mit Euron als Galleonsfigur). Genug spekuliert. Furchtbar viel passiert nicht; Jorah verhält sich ein wenig geheimnistuerisch (was selbst Dany auffällt, die sich ansonsten nicht immer als hellste Glühbirne im Saal verkauft); es wird viel geschwurbelt über Blut des Drachen und mystische Heimatverbundenheit, was ich ausnahmsweise verzeihe, weil Dany sonst halt nichts hat, was sie auch nur entfernt an eine wie auch immer idealisierte Vergangenheit bindet – ein Kind in dem Alter hätte wohl keine allzu großen Probleme, sich komplett umzuorientieren, aber Dany hat eben nie wirklich Kind sein dürfen.

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2 Gedanken zu „George R.R. Martin – A Game of Thrones: Kapitel 53-54

  1. Wow, ich bin selbst ein großer Fan dieser Geschichte! Leider hatte ich bisher noch nicht die Zeit um die Bücher zu lesen, sondern habe mir nur die Serie angesehen. Hoffentlich lässt der Stress bald nach, dann werde ich mir sofort das erste Buch kaufen!
    Liebe Grüße,
    Lettercastle

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