George R.R. Martin – A Game of Thrones: Kapitel 55-56

„This is Bronn, a sellsword of no particular allegiance. He has already changed sides twice in the short time I’ve known him, you and he ought to get on famously, father.“

Kapitel 55 – Catelyn

Was passiert
A Game of ThronesLord Manderlys Sohn begleitet Catelyn nach Moat Cailin, eine halb zerfallene Festung, die den einzigen Pfad zwischen Norden und Süden von Westeros bewacht. Robb hat dort sein Lager aufgeschlagen. Catelyn heißt seine Entscheidung, die Armee selbst anzuführen, nicht gut, doch sie wagt es nicht, seine Autorität zu unterwandern, aus Angst, dass seine noch loyalen Gefolgsleute sich abwenden könnten. Robb selbst zweifelt an seiner Fähigkeit, doch Cat mahnt ihn dazu, diese Zweifel nicht zu zeigen. Der Krieg ist im Gange, und Robb wird Entschlossenheit zeigen müssen, will er sich gegen die Armeen der Lannisters behaupten.

Was Sache ist
Diese beiden Kapitel sind vielleicht das Musterbeispiel für das, was „A Game of Thrones“ ein solches Meisterwerk der epischen Fantasy macht. Der Krieg um Westeros wird nicht auf Schlachtfelder geführt, sondern in ruhigen Hinterzimmern, gebeugt über verstaubte Landkarten. Es gibt keinen allwissenden Erzähler. Es werden Späher ausgesandt, man berät über die Taktiken des Gegners und puzzelt sich daraus ein ungefähres Bild der Lage zusammen. Vieles bleibt im Unklaren, und selbst der Lesende, der (in diesem Buch noch spärlich, da „A Game of Thrones“ sich eben sehr auf die Starks konzentriert) Zugriff auf verschiedene Perspektiven hat, bleibt über vieles im Unklaren. Neuigkeiten reisen langsam. Robb führt seine Armee ins Ungewisse; der Norden ist abgeschieden, den Neck zu durchqueren langwierig und beschwerlich, und es gibt keine verlässlichen Informationen darüber, was im Süden passiert, wo Westen und Flusslande direkt aneinander grenzen und der Krieg schon beinahe vorüber ist.

(Ein kleiner Nachteil dieser Erzählmethode, gerade kombiniert mit dem Fehlen gewohnter Jahreszeiten, ist das nur sehr rudimentär vermittelte Gefühl des Vergehens von Zeit, das sich allenfalls grob an Danys Schwangerschafsverlauf absehen lässt. Ich könnte aber kaum sagen, wie lange es her ist, seit Ned Lord Beric [oder war es Eric?] ausgeschickt hat oder wie lange es dauert, eine Armee von Casterly Rock nach Riverrun zu führen. Es ist nur ein kleiner Kritikpunkt, aber exakte Bestimmbarkeit von Zeit und Raum sind kaum zu unterschätzen für komplexe High Fantasy, gerade wenn sie mit verschiedenen Perspektiven arbeitet. [Das ist im Übrigen etwas, was Tolkien meisterhaft beherrschte; ich würde nicht behaupten, dass der „Lord of the Rings“ GRRM vieles voraus hat, aber in diesem Fall …]) Von diesen gestreuten Informationsfetzen abgesehen passiert wenig. Großartig die Beschreibung von Lord Bolton, der „had a small voice, yet when he spoke larger men quieted to listen“, wenig später gefolgt von Robbs Bekenntnis, dass er Bolton fürchtet, was sicher keine allzu gute Basis für eine Lehnsherr-Gefolgsmann-Beziehung ist. Bekommen wir eigentlich zu irgendeinem Zeitpunkt ein Kräfteverhältnis, wie stark die Lords des Nordens im Verhältnis zueinander sind, also wie sich Robbs 18.000 Schwerter aufteilen? Der Eindruck ist, dass neben den Starks Karstark und Umber die größten Häuser sind und Bolton erst nach ihnen folgt. So ein Überblick würde nicht schaden, gerne auch für ganz Westeros. Ich wäre neugierig.

Kapitel 56 – Tyrion

Was passiert
Tyrion führt die Bergclans hinunter zum Trident, wo sein Vater sein Lager aufgeschlagen hat. Tywin zeigt sich nur wenig begeistert darüber, dass sie Nachrichten über Tyrions Ableben verfrüht waren. Doch als er darüber informiert wird, dass Robb Starks Armee nach Süden zieht, macht er mit Freuden Gebrauch von den Clans.

Was Sache ist
Hier die andere Seite der Medaille: Die Schlacht um die Flusslande wurde bereits geschlagen, Edmure Tully gefangen genommen durch Jaime Lannister, Riverrun belagert, die meisten Burgen eingenommen; ein richtig schöner Blitzkrieg. Die Flusslande sind zugegeben ein kleiner Teil von Westeros (wobei der Westen geographisch nicht um vieles größer ist) und ohne echte natürliche Verteidigungsmöglichkeiten, wie sie eigentlich alle anderen Königslande durchaus haben. Dazu die schlechte Taktik von Edmure, seine Truppen aufzuteilen, um Plündereien zu verhindern – trotz allem eine rasche Niederlage, von der wir dank viel Stark-Perpektive nichts mitbekommen haben, ganz zu schweigen von Beric Dondarrions Niederlage. Das Buch zwingt, mitzudenken, mitzuplanen, zu kalkulieren. Zwischen Riverrun und Harrenhaal liegt laut Karte ein geographisches Nichts, und der Flusslauf, den Robb Roose Bolton folgen lässt, führt quasi nach Südosten, weg von den Riverlands.

Tywin begeht damit den taktischen Fehler, seine Truppen zu weit voneinander zu trennen, vor allem eine Bresche zwischen sich und dem Westen zu lassen – sichtlich deshalb, weil er Robb unterschätzt und Stannis, von dem noch gar nichts zu hören war, als die eigentliche Gefahr einordnet, und die liegt eben im Osten. ZU bemerken ist natürlich das erste Aufeinandertreffen von Tyrion und Tywin im Buch; eine grandios geschriebene Beziehung – Tywin legt auf die Ehre seines Hauses mehr Wert als auf den Sohn, den er offensichtlich wenig schätzt; gleichzeitig ist er wenigstens nicht schockiert, dass der gefangen gewähnte Tyrion so plötzlich in seinem Lager auftaucht, gefolgt von einer Meute von demokratisch organisierten Wilden (hihi), weil er durchaus weiß, welchen Nutzen Tyrion für ihn hat und was er ihm zutrauen kann, ohne ihm dabei aber mehr zu gönnen als unbedingt nötig – es ist ein interessantes Verhältnis, und kein Wunder, dass bestimmte (durchaus credibile) Fantheorien um Tyrion so populär sind. Daneben ist Tyrion + Bronn + die Mountain Clans natürlich reines Comedygold, und gerade die letzteren gehen, wenn ich das vorwegnehmen darf, im Rest der Reihe viel zu sehr unter.

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