George R.R. Martin – A Game of Thrones: Kapitel 57-58

„The High Septon once told me that as we sin, so do we suffer. If that’s true, Lord Eddard, tell me … why is it always the innocents who suffer most, when you high lords play your game of thrones?“

Kapitel 57 – Sansa

Was passiert
A Game of ThronesDer neue König, Joffrey Baratheon/Lannister, hält zum ersten Mal Hof und nutzt die Gelegenheit, das halbe Königreich zu Verrätern zu erklären. Er ernennt den Kommandanten der Stadtwache, Janos Slynt, zum neuen Lord von Harrenhaal, seinen Vater zur Hand und Cersei zum Mitglied seiner Rates. Schließlich wirft er den alten Barristan Selmy aus der Königswache, ein einmaliger Vorfall in der Geschichte von Westeros, und ernennt dafür den Hound zum neuen Mitglied der Wache und Jaime zu deren Anführer. Nach all dem wagt es Sansa schließlich, ihn um Gnade für ihren Vater zu bitten.

Was Sache ist
Hui, ein Sansa-Kapitel, das nicht furchtbar nervt, weil es eigentlich wenig mit Sansa zu tun hat – eigentlich ist es ein Lannister-Kapitel, und wäre womöglich interessanter aus Cerseis Perspektive, nur dass GoT eben noch keine Cersei-Viewpoint-Kapitel hat. Dadurch, dass Sansa historisch nicht sonderlich auf Zack hat, erfahren wir leider nicht, inwieweit die (vermutlich von Cersei getroffene) Entscheidung, Joffrey mit seinen beiden Häusern, also Baratheon und Lannister, vorzustellen, ein Affront gegen die patriarchalen Gewohnheiten ist – es ist davon auszugehen, dass das zumindest in der Geschichte der Sieben Königslande noch nie vorgekommen ist, da selbst die wenigen Targaryen, deren Eltern nicht Bruder und Schwester waren, sich wohl einzig über ihre valyrische Herkunft definiert haben dürften, dito die Blackfyres. Ob das bei den vorherigen Königen vorgekommen ist, würde mich natürlich schon interessieren – ich nehme an, bei kleineren Häusern passiert so etwas deutlich häufiger. Prinzipiell ist es ein sympathischer Move, das Haus der Mutter mit demd es Vaters gleichzustellen, wenn auch in diesem Fall wohl eher eine politische als eine feministische Ansage. Es gibt die Reihe hindurch leider wenig Anzeichen, inwieweit sich eigentlich Joffrey selbst als Baratheon versteht.

Nichtsdestoweniger – Cersei, die ich sicherlich als feministische Figur einordnen würde, nutzt hier ihren neu gewonnenen Einfluss, um bewusst überkommene Traditionen zu brechen und so ihren (d.h., den der Lannisters) Anspruch auf die alleinige Macht in Westeros zu untermauern, was insbesondere durch die Erhebung Janos Slynts zum Lord von Harrenhaal (eher symbolisch und im Übrigen historisch, also in der realen Welt, durchaus nicht unüblich) und die Absetzung Barristan Selmys (wobei ich vermute, dass ihr der Vorschlag von Varys eingeflüstert worden ist) regelrecht revolutionäre Züge annimmt (und beim Hof ja offensichtlich nicht einhellig auf Gegenliebe stößt). Bei aller momentanen Antipathie für Cersei ist das eine durchaus bewundernswerte Konsequenz, mit der sie hier versucht, ihre an diesem Punkt unglaublich schwache Machtposition zu behaupten: Mit Robb Stark und wahrscheinlich Renly und Stannis Baratheon hat sie drei mächtige Feinde und vier der großen Häuser des Reichs gegen sich, und selbst in King’s Landing hängt ihr Überleben momentan recht exklusiv an der Loyalität von Slynt (und damit in letzter Konsequenz Littlefinger, was nie eine gute Idee ist, und das weiß Cersei, im Unterschied zu Mr. Stark). Politisch ausgesprochen spannend – und deshalb umso bedauerlicher, das aus der Sicht von Sansa mitzubekommen, die das politische Bewusstsein von Hodor besitzt.

Kapitel 58 – Eddard

Was passiert
Ned sitzt in einer Zelle unter King’s Landing, abgeschnitten von allem. Nach Tagen des Wartens erhält er schließlich Besuch von Varys, der ihn davon überzeugt, die Wahrheit über Joffrey öffentlich abzustreiten, um das Leben seiner Töchter zu retten.

Was Sache ist
Vielleicht etwas früher auf Menschen hören, die intelligenter sind als du? Nicht erst dann, wenn du im Kerker sitzt und nur hilflos ins Blaue raten kannst, in was für einen Schlamassel du das ganze Land gestürzt hast? Ein recht ereignisarmes Kapitel, bis auf Varys‘ Auftauchen und die nette Ansprache über das Wohl des Reiches; dafür bekommen wir einen Flashback ins Jahr des Falschen Frühlings, in dem Rhaegar Targaryen Neds Schwester Lyanna zur Queen of Beauty krönte und damit eine Entwicklung einläutete, die in Roberts Rebellion mündete und die eigentliche Grundlage für den Krieg der Fünf Könige und seine noch ausstehenden Folgen legte. In dem Zusammenhang die bekannte „Bed of blood“-Andeutung für Lyanna, und einige Gedanken an Jon Snow, den Ned als „the boy“, nicht etwa „my son“ tituliert.

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