George R.R. Martin – A Game of Thrones: Kapitel 61-62

„I am Tyrion, of House Lannister. Men call me the Imp.“ „My mother named me Shae. Men call me .. often.“

Kapitel 61 – Daenerys

Was passiert
A Game of ThronesDrogos Khalasar zieht plündernd und brandschatzend durch das Land der Lhazareen. Dany bemerkt, wie einige der Reiter Frauen vergewaltigen, und stellt diese unter ihren Schutz, was Drogos Blutreiter nur widerwillig einsehen. Unter den Frauen ist auch eine Maegi, eine Art Gelehrte, namens Mirri Maaz Duur, die unter anderem bei einem Maester aus Westeros gelernt hat und Dany ihre Dienste anbietet. Obwohl die Dothraki der Maegi misstrauen, willigt Drogo ein, Mirri Maz Duur seine Wunden versorgen zu lassen, ohne jedoch auf ihre Anweisungen zu hören. Dany bittet sie, auch bei ihrer bevorstehenden Geburt zu helfen.

Was Sache ist
Es ist die Geburt von Savior-Dany; das Kapitel, das einen ursprünglich spannenden Handlungsbogen, der in Aussicht stellt, in naher Zukunft auch etwas mit dem Rest der Geschichte zu tun zu haben, für mindestens weitere vier Bücher um sich selbst drehen lässt, ohne dabei allzu weit von der Stelle zu kommen. Gut, zumindest in „A Clash of Kings“ steht Dany noch einiges bevor, aber im Großen und Ganzen hat GRRM sich und uns keinen Gefallen damit getan, diese Richtung einzuschlagen. Das Fernziel bleibt Westeros, zumindest nachdem sämtliche sozialen Probleme in Essos restlos gelöst wurden. Sehr bezeichnend die Reaktion von Drogo, der dem Vergewaltiger, der sich beschwert, nonchalant mitteilt, er solle sich einfach eine andere Frau suchen, es sind ja noch ein paar tausend davon vorhanden. Ohne Kulturrelativismus betreiben zu wollen, stürzt Dany sich damit in Kämpfe, die sie nicht gewinnen kann, und Jorah könnte ihr das ab und an ein wenig deutlicher vorhalten. Zwei kurze Anmerkungen: Erstens ist Jorahs Anmerkung, Dany erinnere ihn im gegebenen Kontext an Rhaegar, wohl ein weiteres Zeichen dafür, dass Rhaegar nicht der Entführer und Vergewaltiger ist, zudem die Geschichte der Sieger ihn gemacht hat. Zweitens, und das ist mir beim letzten Lesen nicht aufgefallen, wird durch Mirri Maz Duur zum ersten Mal Marwyn der Maester erwähnt, der bis Asshai gereist ist und uns tatsächlich begegnen wird, wobei ich gespannt bin, ob Dany sich dann noch an die Verbindung zwischen der Maegi und Marwyn erinnern wird.

Kapitel 62 – Tyrion

Was passiert
Die Westmänner bereiten sich auf die Schlacht gegen das Heer aus dem Norden vor. Tyrion wird von seinem Vater mit Herablassung behandelt und tröstet sich mit Shae, einer jungen Prostituierten, die Bronn aufgetrieben hat. Die Schlacht kommt jedoch früher als erwartet, und bald finden sich Tyrion und seine „Wilden“ mitten im Getümmel wieder.

Was Sache ist
Ich habe mich hier zum ersten Mal gefragt, wie alt Tyrion eigentlich ist. Ich glaube nicht, dass das Buch da an irgendeiner Stelle verlässliche Informationen liefert. Man kann davon ausgehen, dass Jaime und Cersei zu Beginn der Serie jeweils ungefähr 30 sind, rückwärtsgerechnet von der vierzehn Jahre zuvor geschehenen Krönung Robert Baratheons, bei der die beiden auf keinen Fall deutlich über 18 gewesen sein dürften. Aus einer späteren Szene lässt sich ableiten, dass Cersei bei Tyrions Geburt durchaus ab 8 aufwärts gewesen sein dürfte; damit könnte Tyrion in seinen frühen Zwanzigern sein. Ich rechne mir das deshalb vor, weil seine übliche abgeklärte, bisweilen zynische Attitüde gegenüber Welt und Dasein an sich bei seinem Vater (dessen offensichtlich selbstverliebte Beschreibung hier durchaus erwähnt werden darf) nicht so recht funktioniert und Tyrion deutlich weniger souverän erscheint, als er das sonst tut. (Nach seinen ersten Szenen in Winterfell hätte ich ihn vom Verhalten her eher in den mittleren Dreißigern verortet, was nicht einmal die Serie hergibt.) Auch hier wieder: Dafür, dass er sich mehr und mehr als der hauptsächliche Sympathieträger der Serie herausstellt, erfahren wir relativ weniger darüber, was seinem Charakter zu Grunde liegt; warum er z.B. vor Beginn der Serie in King’s Landing zu leben scheint statt in Casterly Rock (insbesondere, ob das seine Idee war oder die seines Vaters), und was einen dem Anschein nach so sehr in den Tag hineinlebenden Charakter dazu getrieben hat, Robert nicht nur nach Winterfell zu begleiten, sondern auch noch darüber hinaus bis zur Mauer zu reiten, eine Reise, die ihn immerhin ein knappes Jahr seines Lebens gekostet hat – zumindest zu der Zeitangabe kann sich das Buch nun endlich einmal durchringen.

Sein Verhältnis zu Bronn bleibt auch hier wieder rauer und durchaus stärker von Untertönen des Misstrauens geprägt, als sich das die Serie leisten könnte – was natürlich weniger Spaß macht, aber interessanter ist. Tyrion hat genügend Lebenserfahrung, zu wissen, dass er sich nicht auf Menschen wie Bronn oder Shae verlassen sollte, und gleichzeitig kann er nicht anders – dieses spannende Verhältnis zwischen adligen, privilegierten Figuren, die in der Reihe im Allgemeinen die Erzählperspektive liefern, und den auch narrativ marginalisierten nicht-adligen Randfiguren taucht gerade in Tyrions Storyline immer wieder auf, und ich freue mich jedes Mal über diesen Akzent. Auch Shae ist prinzipiell eine faszinierende Figur, die in der Serie etwas monothematisch zugeschnitten war und hier, nun ja, weniger im Fokus steht, aber dafür etwas liefert, was dem Buch bisher wohl noch gefehlt hat, Menschen nämlich, die Tyrion verbal und intellektuell Kontra geben. (Schön: Das Eingangszitat, dass, wenn ich mich nicht irre, in der Serie leider abhanden gekommen ist, dafür aber durch Bronns „son of … oh, you wouldn’t know him“ ersetzt wurde, was ähnlich gut funktioniert.) Dass Catelyn Stark dafür nicht gerade getaugt hat, muss ich wohl nicht extra betonen. Insofern: große Vorfreude auf King’s Landing!

So, jetzt habe ich doch nachgeschaut: Tyrion ist im Jahr 273 nach Aegons Eroberung geboren, die Serie beginnt im Jahr 298. Ein bisschen älter also als ich, der Gute.

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