George R.R. Martin – A Game of Thrones: Kapitel 65-66

„Gold cloaks were as thick on the city walls as fleas on … well, her, for one.“

Kapitel 65 – Arya

Was passiert
A Game of ThronesArya schlägt sich auf den Straßen von King’s Landing durch, auf der Suche nach Essbarem und auf der Hut vor den Goldröcken. Alle Wege aus der Stadt sind abgeriegelt, die Tore streng kontrolliert, und Arya hat kein Geld bei sich, um eine Überfahrt bezahlen zu können, nur die Kleider an ihrem Leib und Needle. Mit dem Fangen von Tauben hält sie sich über Wasser, bis sie schließlich den Aufruhr bemerkt. Lord Eddard Stark, die Hand des Königs, wird auf den Platz vor Baelors Septe geführt, heißt es auf der Straße; er habe den König ermordet und solle nun für seine Verbrechen verurteilt werden …

Was Sache ist
Dieses Kapitel zeigt erst, was für ein großartig geschriebener Charakter Arya ist. Weder schafft sie es, allzu souverän mit der Situation umzugehen – in ihrer ersten Nacht außerhalb des Palasts werden ihr fast alle ihre Besitztümer gestohlen – noch verzweifelt sie an ihrer Lage, sondern schafft es, irgendwie zu überleben, und legt damit den Grundstein für den vielleicht spannendsten Handlungsbogen der ganzen Reihe. Nicht, dass sie darum zu beneiden wäre. Beim wiederholten Lesen ist die Szene nicht mehr allzu schockierend, aber hier merken wir zum ersten und entscheidenden Mal, dass Joffrey nicht bloß Cerseis Marionette ist, nicht bloß der arrogante, weinerliche Prinzling, als den wir ihn kennen gelernt haben, sondern ein Herrscher mit der vollen Autorität eines solchen, dem jeder politische Sachverstand abgeht, der diesen Mangel gleichzeitig mit dem vollendeten Sadismus kompensiert, den es wohl braucht, den Vater seiner Verlobten vor deren Augen zu exekutieren. Mit anderen Worten, Mad Aerys, here we go again. Dass Cersei eine gewisse mütterliche Blindheit gegenüber Joffreys Qualitäten besessen hat, wird zumindest nicht wundern, wenngleich ich nicht sagen würde, dass sie dahingehend keine Vorwürfe verdient. Gleichzeitig wird es letztendlich ein Anflug von ausgleichender Gerechtigkeit sein, dass diese Hinrichtung letztlich eine Verlängerung des Krieges bedeutet, der die Lannister-Herrschaft eher in Frage stellt, als sie zu konsolidieren. Gäbe es die Bedrohung durch Stannis und Renly nicht, würde ich immerhin an Joffreys Stelle sagen, gar keine so üble Entscheidung. Auf der anderen Seite würde das bedeuten, mich in Joffrey hineinversetzen zu müssen …

Kapitel 66 – Bran

Was passiert
Bran träumt, dass die dreiäugige Krähe ihn in die Gruft von Winterfell hinunterführt, wo er seinen Vater wiedertrifft. Nur ein Traum, ist Maester Luwin überzeugt, doch auf Brans Beharren hin begeben sie sich gemeinsam mit Osha hinab in die Gruft, wo sie den alten Königen des Nordens begegnen.

Was Sache ist
Yippie, Geschichtsunterricht! Das Kapitel erzählt im Groben die Geschichte von Westeros nach, das ursprünglich von den Kindern des Waldes bewohnt war, einer GRRM-Variante von Elfen, die Zauberei beherrschten und die Götter des Waldes anbeteten. 12000 Jahre zuvor kamen die Ersten Menschen in Westeros an und bekriegten die Kinder zunächst, schlossen dann einen Pakt mit ihnen und übernahmen ihren Glauben. 5000 Jahre zuvor wurde der Süden der Sieben Königslande dann von den Andalen erobert, während die Ersten Menschen nur im Norden ihre Vorherrschaft behielten. (Weshalb es natürlich historisch falsch ist, dass die Dothraki Jorah Mormont „the Andal“ nennen. Da hat wohl jemand in der Schule nicht aufgepasst.) Die letzte Besiedlung Westeros‘ durch die Rhoynar wird hier ausgespart, da in diesem Kontext nicht weiter wichtig. Zumindest bekommen wir ein Gefühl dafür, wie lange die Starks bereits ein Land beherrschen, das noch weit mehr als der Rest der Sieben Königslande seinem Ursprungszustand entspricht, nämlich dem eines Landes, in dem Magie lebendig ist …

Wie diese Magie im Norden in Vergessenheit geraten ist, darüber schweigt sich das Kapitel aus, aber gemessen an Oshas Aussagen scheint es unter den Wildlingen nördlich der Mauer Allgemeinwissen zu sein, dass die Kinder des Waldes dort immer noch leben – und vielleicht gegen die Anderen kämpfen, seit tausenden von Jahren? Ich frage mich, ob es steten Kontakt zwischen den Wildlingen und den Kindern gibt. Zumindest ist davon auszugehen, dass die Wildlinge den uralten Pakt mit den Kindern immer noch respektieren und befolgen. Und natürlich ist Oshas Reaktion auf Brans und Rickons Träume ein Anzeichen dafür, dass Magie nördlich der Mauer immer noch eine völlig andere Bedeutung hat, nicht ins Reich der Mythen und Legenden gehört, in das der wie immer rational denkende Maester aus dem Süden sie so gerne verbannen möchte. Die Frage ist dann, ob die Gruft der Starks von Relevanz für diese Art von Magie ist, zu der sowohl Bran als auch Rickon einen Zugang zu besitzen scheinen, der sich bei den anderen Kindern (bisher) nicht zu offenbaren scheint. Es ist eine wunderbar subtile Art, das Übersinnliche in eine bisher tief in einer realistisch gezeichneten Wirklichkeit einzuführen – eine Art, die viel Spannung für zukünftige Bücher aufbaut.

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