George R.R. Martin – A Game of Thrones: Kapitel 67-68

„A word, and Dany could have her head off … yet then what would she have? A head? If life was worthless, what was death?“

Kapitel 67 – Sansa

Was passiert
A Game of ThronesNach der Hinrichtung versinkt Sansa in Depressionen, was Joffreys Missfallen erregt; er wünscht sich seine Verlobte am Hof vorzeigbar und schreckt natürlich nicht davor zurück, sie von seiner Leibgarde züchtigen zu lassen, bis Sansa ihm gehorcht. Hof zu sitzen scheint Joffrey ausgesprochen zu langweilen, es sei denn, er kann dabei seine sadistischen Vorlieben ausleben. Auch Sansa bekommt das zu spüren, als er sie zu einem Spaziergang mit sich nimmt, um ihr die auf der Festungsmauer aufgespießten Köpfe zu präsentieren, was Sansa in Versuchung bringt, Joffrey einen verdienten kleinen Schubs zu verpassen.

Was Sache ist
Leichte Charakterentwicklung hier, ich bin schockiert! Nun, es ist immer noch Sansa, „remembering her courtesies“, selbst im Umgang mit dem Balg, das ihren Vater umgebracht hat, und seinen Handlangern, die kein Problem damit haben, Kinder zu schlagen. Es frustriert nicht mehr so arg, immerhin ist das für Sansa inzwischen praktisch ein Selbstschutzmechanismus. Dennoch sorgt es nicht unbedingt für massive Sympathie, die jemand in Sansas Lage eigentlich verdienen müsste. Allerdings kommt hier die Sansa/Sandor-Maschine langsam ins Rollen; der Hound erweist sich bei aller Monstrosität, die er so gerne verkörpert, als deutlich empathischer im Vergleich mit einem Schläger wie Meryn Trant, und Sansa ist auf dem besten Weg zu einem gewissen Zen-Zustand, was Joffrey zumindest ein wenig anpisst. Schön gemacht, auch wenn ein Mauersturz Joffreys natürlich bei Leser*innen wie Westerosi gleichermaßen mehr Freude aufgelöst hätte. Leider ist das kein Fokus des Buches, aber ich stelle mir gerne vor, wie Littlefinger, Varys und co. gerade panisch Pläne machen und Intrigen spinnen, um das Joffrey-Debakel einigermaßen in Grenzen zu halten und dabei zu vermeiden, demnächst selbst ihre Köpfe zu verlieren.

Kapitel 68 – Daenerys

Was passiert
Dany wacht nach albtraumhaften Visionen auf und erfährt, dass sie ihren Sohn verloren hat. Das Khalasar ist zum größten Teil verschwunden, und Drogo ist nur noch eine leere Hülle, lebendig, aber ohne Lebensgeist. Dany lässt Mirri Maz Duur in Ketten legen und versucht erfolglos, Drogo zurückzuholen, doch schließlich muss sie einsehen, dass ihre Bemühungen vergebens sind, und erstickt Drogo mit einem Kissen.

Was Sache ist
Der erste Verrat. Es ist nicht ganz leicht, Mirri Maz Duur übel zu nehmen, dass sie auf diese Weise Rache nimmt an dem Khal, der ihr Volk überfallen, versklavt, vergewaltigt, ermordet hat. Das Argument, nun könne „the stallion that mounts the world“ es seinem Vater nicht gleichtun, schwimmt philosophisch natürlich in trüben Gewässern, und den Völkern von Essos dürfte es herzlich egal sein, von welchem Khal sie hingemetzelt werden. Nichtsdestoweniger trifft Dany, die hier schnell bei der Hand ist, Jorah als denjenigen auszumachen, der ihren Sohn getötet hat (und ihm dennoch zu vergeben), mindestens eine Mitschuld. Sie trifft eine ganze Reihe an schlechten Urteilen, von dem Moment an, in dem sie ihr Schicksal (und das Drogos sowie ihres Sohnes) willentlich in die Hände einer Frau legt, die keinen Grund hat, loyal zu sein. Natürlich mag das aus Danys Perspektive anders aussehen. Sie fühlt eine Verbundenheit mit den Frauen, die von den Dothraki versklavt und vergewaltigt werden, weil sie selbst von ihrem Bruder an Drogo verkauft wurde. Aber ihre (weibliche) Perspektive ist dennoch eine des Privilegs. Der Schaden, den das vorherrschende Patriarchat anrichtet, ist unübersehbar, aber die Leitunterscheidung dieser Gesellschaft ist dennoch die von Adel und einfachem Volk, und Dany scheitert hier im Grunde daran, ihre eigene Position in dieser Gesellschaft richtig zu reflektieren. Was nicht heißen soll, dass die Katharsis hier nicht funktionieren würde. Dany verliert im Prinzip mit einem Mal alles, was sie sich aufgebaut hat, worin sie ihre Hoffnung gesteckt hat – soll heißen: Noch X weitere Bücher, bis sie es endlich nach Westeros schafft, wenn überhaupt. Doof. Ich tendiere nebenbei zu glauben, dass weder Danys Albträume noch Mirris verschwurbeltes „when the sun rises in the west …“ irgendeine tiefgehende Bedeutung für den weiteren Storyverlauf haben.

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