Game of Thrones 5×08 – Hardhome

„Lannister, Targaryen, Baratheon, Stark, Tyrell – they’re just spokes on a wheel. This one’s on top, then that one’s on top, and on and on it spins, crushing those on the ground.“

Was passiert
Game of Thrones Season 5Tyrion mag sich noch nicht entscheiden, ob Daenerys seine Loyalität verdient, während Dany sich ihrerseits vorbehält, ihn bei Bedarf zurück in die Kampfgruben zu werfen. Wenigstens in Bezug auf Jorah kommen sie überein. Sansa presst ein unerwartetes Geständnis aus Theon heraus, Cersei indes ist nicht in der Stimmung für Geständnisse, erfährt aber immerhin Neuigkeiten von Qyburn. Arya wird in die nächste Klasse der Assassinenschule versetzt. Jon und Tormund treffen zu Verhandlungen in Hardhome ein und bekommen es dort erst mit störrischen Wildlingen und dann mit den vier Reitern der Apokalypse zu tun.

Was Sache ist
Nachdem Staffel 5 mich bisher eher unterwältigt hat, muss ich „Hardhome“, allen Befürchtungen zum Trotz, zur verdientermaßen besten Folge des Jahres und einer der besten der ganzen Serie erklären.

In Meereen: Die ersehnte Begegnung der beiden Hauptfiguren der Serie hält für den Anfang alles, was sie versprochen hat: Misstrauen, erzwungene Angewiesenheit aufeinander und eine subtile Note von Sympathie füreinander, gepaart mit völlig unterschwelligen Vorstellungen von der Richtung, die es einzuschlagen gilt. Tyrion gibt Dany einen Vorwand, Jorah nicht töten zu müssen, den sie dankbar ergreift, was noch mehr als Neugier oder ihren tatsächlichen Bedarf für klugen Rat den Ausschlag für ihr kleines Tête-à-tête gegeben haben dürfte, bei dem Dany ihre großartige, wenn auch kurze Spokes-on-a-wheel-Rede aus dem zweiten Trailer hält. Tyrions Analyse der politischen Lage in Westeros ist allerdings noch etwas unterkomplex, daran sollte er als Berater arbeiten. Insbesondere an die Martells sollte er sich schon noch erinnern, auch wenn wir sie diesmal nicht zu sehen bekommen haben. Ich freue mich darauf, wie es weitergeht (etwa auf die unausweichliche Begegnung von Tyrion und Grey Worm).

In Braavos: Obwohl the Waif sie für noch nicht reif genug hält, darf Arya … Verzeihung, ein Mädchen jetzt Austern am Hafen verkaufen und dabei Dinge lernen. Hier trifft sie auf das mittelalterliche Äquivalent eines betrügerischen Versicherungsmaklers, für den Jaqen die Gnade des Gottes der vielen Gesichter in petto hat. Die ganze Abfolge von Szenen war großartig in Szene gesetzt; der Fortschritt in Aryas Training ist auch deshalb super, weil wir so mehr von Braavos zu sehen bekommen, was sich doch etwas ansehnlicher gestaltet als etwa Hardhome (oder, um fair zu bleiben, eigentlich jede andere Stadt in der Serie, vielleicht mit Ausnahme des in der nächsten Staffel anstehenden Abstechers nach Oldtown). Ich wage zu hoffen, dass Arya noch in einige weitere Rollen schlüpfen darf, befürchte aber, dass wir stattdessen in der nächsten Folge eher ein Rendez-vous mit Not Now Mace und Meryn Trant bekommen (wobei ich mich schon freuen würde, wenn Arya Mace unbeabsichtigt das Leben rettete).

In King’s Landing: Hey, jetzt sehen Cersei und Margaery tatsächlich wie Schwestern aus! Schön, dass die Westeros-Taliban noch keine wirksamere Methode gefunden haben, mithilfe von Wasser Geständnisse zu erzwingen, als es auf dem Zellenboden zu vergießen. (Nicht wahr, Mister Obama?) Immerhin erhält Cersei einen kurzen Besuch von Qyburn, der sie darüber informiert, dass Pycelle, der alte Opportunist, Kevan Lannister zur Hand des Königs ernannt und zurück nach King’s Landing geholt hat. (Ich nehme zur Kenntnis, dass ich mich inzwischen über Parallelen zu den Büchern ausgiebig freue.) Er leistet außerdem Rapport über seine Forschungsfortschritte. Ich würde gerne wissen, wie der High Sparrow zu Nekromantie steht, und wundere mich außerdem, dass ich mich noch nie gefragt habe, ob Qyburn in Wirklichkeit ein White-Walker-Bastard ist. Oder so. Daumen hoch für Lena Headey, die vielleicht ihre beste Staffel bisher, mindestens aber die beste seit der zweiten spielt.

Im Norden: Sam gibt Olly den Ratschlag, Entscheidungen durchzuziehen, von denen man selbst überzeugt ist, auch wenn andere das nicht sind – und ich ahne, wohin das führen wird. (Finale von „A Dance With Dragons“, hey-o.) Theon beichtet Sansa, Bran und Rickon nicht getötet zu haben. Ich halte das für ein Gerücht, denn: Wo sind sie dann? Gute Frage, Sansa. Nicht, dass sie mit der Information augenblicklich viel anfangen kann – ich fürchte allenfalls, sie wird es bei Gelegenheit Littlefinger erzählen, der angesichts seiner Warden-of-the-North-Pläne davon nicht begeistert sein dürfte. Andernfalls könnte man hier eine Parallele zu Davos‘ Storyline in „A Dance with Dragons“ vermuten – zumindest, wenn sich Wyman Manderly mal blicken lassen würde. Oder irgendwer sonst – bisher erweckt die Serie recht zuverlässig den Eindruck, dass der gesamte Norden aus Winterfell, der Dreadfort, Castle Black und viel Wald besteht. Wo sind die Umbers, die Karstarks? Wo ist Lady Dustin? Wo ist eigentlich Asha (oder wie auch immer Theons Schwester in der Serie noch gleich hieß) hin? Seit Stannis sich zum Fan-Favouriten gemausert hat, wird der Krieg als Rahmenhandlung eigentlich nur noch auf ihn zugeschnitten, weil alle anderen Charaktere irgendetwas anderes zu tun haben. In diesem Fall scheint Ramsay ein Attentat auf King Stannis vorzuhaben, vermutlich als Ersatz dafür, die Karstarks (und damit sämtliche Konsequenzen von Robbs gescheitertem Feldzug) komplett aus der Serie herausgeschrieben zu haben. Meinetwegen, allerdings finde ich es zunehmend schade, wie Benioff und Weiss den Fokus im Norden weg von Roose, hin zu Ramsay verlagern, vermutlich anhand der Annahme, das Publikum sei seit Joffrey einfach darauf konditioniert, seine Psychopathen lieber eindimensional-sadistisch als berechnend und intrigant zu mögen. Ich möchte das in Abrede stellen – mehr Roose!

In Hardhome: Die gesamte Hardhome-Sequenz hat mich deutlich mehr begeistert als im letzten Jahr der Kampf um Castle Black, auch wenn der womöglich einfallsreicher inszeniert war. Eine Sache, die ich kritisch anmerken würde: Irgendwo lagen wohl noch eine Handvoll Fluch-der-Karibik-Skelette herum, die billiger waren als realistisches Zombie-Makeup. In seinen weniger überzeugenden Momenten hatte die Schlacht um Hardhome daher allenfalls einen gewissen Evil-Dead-Charme. Die besten Szenen dagegen waren unfassbar gruselig – siehe die Zombie-Kinder, welche die aus dem Ärmel gezauberte Wildlingsfrau namens Karsi (?), die ich zunächst für Val hielt, verspeist haben. Styr ist wohl irgendwann verstorben und wurde hier kurzzeitig durch einen Thenn namens Loboda ersetzt, der sich ebenfalls nicht lange hält, ebenso wie der Lord of Bones in Verhandlung mit Tormund. Dafür taucht überraschend Wun Wun auf, und Riesen machen sich im Kampf immer gut. Die White Walkers haben ihren bisher besten Auftritt, und Jon verliert eine schöne Menge Drachenglas in einer brennenden Hütte, stellt dabei aber fest, dass Valyrischer Stahl ebenfalls recht effektiv gegen die Eisgesellen ist – was diese dummerweise ebenfalls zur Kenntnis nehmen. Die Schlachtsequenz gerät bisweilen chaotisch, die filmische Struktur ein Spiegel der Schlacht selbst, die wenig mehr ist als ein verzweifelter Rückzug, ein grandioses Scheitern. Rundum stark. Bisher haben die großen Schlachten meist eher zu Langeweile eingeladen, „Hardhome“ dagegen hat so gut funktioniert, dass ich nicht einmal eigens eine beste Szene der Folge krönen muss.

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