George R.R. Martin – A Game of Thrones: Kapitel 71-72

„It was the dragons we married, and the dragons are all dead!“

Das große Finale.

Kapitel 71 – Catelyn

Was passiert
A Game of ThronesRobb Stark und seine Streitmacht treffen in Riverrun ein. Trotz des Sieges über Jaime Lannister und die Zerschlagung der Belagerung ist die Stimmung gedrückt, seit die Nachrichten aus King’s Landing eingetroffen sind. Catelyn muss noch dazu feststellen, dass ihr Vater, Lord Hoster Tully, im Sterben liegt. Angesichts der Lage plädiert sie im Kriegsrat, den Robb kurz nach ihrer Ankunft einberuft, für einen Friedensschluss, doch Robb ist dafür nicht bereit, und seine Gefolgsleute stimmen ihm zu. Doch herrscht Uneinigkeit darüber, wie weiter vorzugehen sei: Ein Vorstoß nach Westen, ein Bündnis mit Renly?

Was Sache ist
Letztlich ist es der Greatjon, der in den Raum stellt, die Zugehörigkeit von Norden und Flusslanden zum Reich aufzukündigen und wieder einen König im Norden einzusetzen, und trotz des Gänsehaut-Effekts, den der Kriegsrat unweigerlich mit sich bringt (eine Reaktion, die ich selten auf Bücher habe), sollte zur Kenntnis genommen werden, dass diese Entscheidung längst nicht im Beisein aller Lords des Nordens getroffen wird. Nichtsdestoweniger ist das Aufkündigen von historischen Pfadabhängigkeiten immer eine Angelegenheit von Bedeutung, und hier kommt die kulturelle Eigenständigkeit des Nordens (wenngleich nicht unbedingt der Flusslande, obwohl das Kapitel zeigt, dass es auch dort immer noch Anhänger des alten Glaubens ist – so liegt ja auch die Isle of Faces, von der wir einige Kapitel zuvor gehört haben, in den Flusslanden) zum Tragen, die etwa mit der Dornes und der Iron Islands zu vergleichen sein dürfte. Offenkundig ist hier die ethnisch-kulturelle Diversifizität zu den Rändern der Königslande hin, und es wird deutlich, dass nicht einmal dreihundert Jahre Herrschaft der Targaryen (letztendlich Fremdherrschaft) nicht ausreichen, um einen Prozess der kulturellen Vereinheitlichung anzustoßen, geschweige denn ihn zu einem Ende zu bringen. Man darf bezweifeln, dass viele Targaryen überhaupt ein Bewusstsein oder gar Interesse für diese Problemlage mitgebracht haben, gerade weil sie selbst einem völlig anderen Kulturkreis entstammten.

Dabei gab es wohl einige Targaryen-Herrscher (Baelor the Blessed), die zumindest Versuche in diese Richtung unternommen haben. Der Großteil wird, von den langjährigen und kostenträchtigen Versuchen abgesehen, Dorne in das Reich einzubinden, nichts dergleiche unternommen haben. Insofern ist es nicht weiter verwunderlich, dass das Ende der Dynastie beinahe sofort Auflösungsprozesse des Reichs nach sich zieht. (Hier sollte hervorgehoben werden, dass der Krieg der fünf Könige nicht der erste Schritt auf diesem Weg ist, der bereits mit Balon Greyjoys gescheitertem Aufstand begonnen hat, nicht zuletzt befeuert von der Vermutung, dass ein Nicht-Targaryen-Herrscher wie Robert Baratheon nicht die gleiche Unterstützung unter den großen Königshäusern gewinnen würde wie die Targaryen. Eine Vermutung, die sich in dem Fall als falsch erwies, allerdings wohl nur aufgrund der Tatsache, dass Jon Arryn das Reich vernünftig zusammengehalten hat und niemand die Ironborn mag.) Es wäre interssant zu wissen, ob nach Aerys‘ Tod einige der großen Häuser bereits ernsthaft darüber nachdachten, sich vom Reich abzuspalten – insbesondere für Dorne, aber auch die Iron Islands und eventuell sogar Highgarden, das von Arryn mehr oder weniger außen vor gelassen wurde. Hier könnte geholfen haben, dass Dorne und Highgarden mehr aufeinander schauen als auf King’s Landing. So oder so, ein einmal einsetzender Zerfallsprozess lässt sich nicht einfach mit Waffengewalt stoppen, und diplomatische Meisterleistungen stehen in Westeros wohl eher selten auf der Tagesordnung.

Kapitel 72 – Daenerys

Was passiert
Dany verbrennt Drogos Leiche auf einem Scheiterhaufen, zusammen mit Mirri Maz Duur („Only death can pay for life“) und ihre Dracheneiern. Als sie selbst in der Feuer geht, ohne von den Flammen verbrannt zu werden, sieht sie die Eier in der Hitze schlüpfen.

Was Sache ist
Ist „A Game of Thrones“ das einzige Buch der Reihe ohne einen Epilog? Ich hatte mir zu Anfang schon den Kopf zerbrechen, wer hier zum Ende hin den Löffel abgibt – GRRMs mörderische Tendenzen, wenn es um Viewpoint-Charaktere in Prologen und Epilogen geht, ist nun kein Geheimnis. Dany ist zum Glück auf der sicheren Seite, und nach all dem Foreshadowing war Rhaegar doch nicht der letzte Drache. Das lebendige Verbrennen von Mirri Maz Duur – nun, hier zeigt Dany nicht zum letzten Mal, dass sie Aerys‘ Tochter ist. Das Kapitel scheint mir nciht wirklich darauf hinzudeuten, dass das Brandopfer für das Erwecken der Drachen notwendig ist, obwohl man eigentlich mutmaßen sollte, dass Dany nicht die erste ist, die auf die Idee kommt, Dracheneier durch hohe Temperaturen zum Leben zu erwecken. Vielleicht hat der Komet geholfen, vielleicht die Tatsache, dass sie valyrisches Blut besitzt – Tatsache ist, das Buch liefert nicht gerade eine exakte Drachenkunde, insofern nehmen wir das einfach mal hin. Ich bin eigentlich kein großer Drachenfan; in „A Song of Ice and Fire“ tragen sie dazu bei, dass Danys Geschichte sich noch weiter vom ultrarealistischen Geschehen in Westeros distanziert als ohnehin schon. Obgleich ich nichts Grundsätzliches an der Entscheidung, die Reihe von drei auf sieben Bücher auszuweiten, auszusetzen habe, ist gerade Danys Geschichte der Teil der Bücher, der am Meisten darunter leidet, und hätte GRRM die Reihe von Anfang an in dieser Länge geplant, hätte er unter Umständen einen Weg gefunden, die Handlungsstränge besser zu verknüpfen, Drachen hin oder her – und sei es durch eine Veränderung der Geographie, die dem Ganzen zugrunde liegt. So muss die Reihe, dem schönen Finale hier zum Trotz, damit leben, dass Dany nach Jon, Catelyn und Sansa zu den reizlosesten Hauptcharakteren gehört, obwohl im Vergleich zu diesen auf Dany durchaus spannende Momente zukommen, die auch für die Reihe insgesamt von großer Wichtigkeit sind: House of the Undying, here we come. Allerdings nicht sofort, ich bin erst einmal froh, diesen Reread in dieser Form abgeschlossen zu haben.

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