Coconut Hero (2015)

„Either Jesus doen’t have a lot to do these days, or he’s just really goddamn fast.“

Was passiert
Coconut HeroMike Tyson – nicht der Boxer – hat genug vom Leben. Doch nachdem er sich mit dem Gewehr seines verschollenen Vaters in den Kopf schießt, wacht er im Krankenhaus auf. Auch sonst läuft nicht alles nach Plan. Nach einem Schulverweis wird er in eine Art Selbsthilfegruppe gesteckt und lernt dort Miranda kennen, die ihn nur temporär von weiteren Suizidplänen ablenkt. Zu allem Überfluss taucht auch noch Mikes Vater wieder auf. Zumindest Mikes Gebete werden erhört: Im Krankenhaus wird ihm ein Gehirntumor diagnostiziert, was ihm drei Monate Zeit verschafft, sein Ableben vorzubereiten.

Was Sache ist
Das Leben im kanadischen Nirgendwo ist furchtbar. Zumindest muss es das wohl sein; warum, erfahren wir nie. „Coconut Hero“, der englischsprachige zweite Spielfilm von Florian Cossen, zeigt ein bemerkenswertes Desinteresse an seiner Geschichte und folgt für den Großteil seiner Laufzeit Handlungssträngen, die ebenso ins Nirgendwo laufen, wie kanadische Landstraßen das offenbar tun. Narrativ ist das nicht reizlos – der Film scheint sichtlich mehr auf die Unvorhersehbarkeit des „echten Lebens“ abzuzielen als auf die üblichen Drehs und Kniffe eines Filmskripts -, aber durchaus frustrierend. So widmet sich „Coconut Hero“ zu einem guten Teil dem Wiederauftauchen von Mikes (Alex Ozerov) Vater Frank (Sebastian Schipper), dessen großer Auftritt ebenso wenig Früchte trägt wie Mikes holprige Beziehung zu seiner Mutter (Krista Bridges). Stattdessen enden wir in einem Roadtrip mit Miranda (eine Entdeckung: Bea Santos), der ruhig einen größeren Abschnitt des mäandernden Films hätte einnehmen können. Der seltsam abrupte Schluss erscheint in diesem Licht schon fast wieder konsequent. „Coconut Hero“ ist witzig, charmant und in seinen besten Momenten regelrecht magisch, aber wie ein Zaubertrick verliert er nach einigem Grübeln doch viel von seinem Reiz. Ein ordentlicher Versuch scheitert so an einem vielleicht zu ambitionierten, vielleicht auch einfach nicht vernünftig durchdachten Drehbuch.


Coconut Hero (DE/CA 2015) | Regie: Florian Cossen | Skript: Elena von Saucken, Daniel Schachter | mit Alex Ozerov, Bea Santos, Krista Bridges, Sebastian Schipper | 97 min.

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