Omoide no Mânî (2014)

„In this world, there’s an invisible magic circle. There is an inside, and an outside, and I’m outside.“

Was passiert
Erinnerungen an MarnieAufgrund ihrer Asthma-Erkrankung wird die introvertierte und einsame Anna zu Verwandten aufs Land geschickt, um sich zu erholen. Während ihrer Streifzüge durch die Felder um die nahe gelegene Bucht entwickelt Anna eine Faszination für eine scheinbar verlassene Villa. Bei einem nächtlichen Bootsausflug trifft sie dort auf Marnie, ein wunderschönes, doch rätselhaftes Mädchen mit einem Geheimnis. Mit ihr erwacht die verfallende Villa nachts zu neuem Leben; etwas Seltsames geht dort vor. In Marnie findet Anna zum ersten Mal eine Freundin. Doch sie ist nicht die einzige, die sich für Marnie interessiert.

Was Sache ist
Nachdem Hayao Miyazaki 2013 bekannt gab, keine weiteren Spielfilme drehen zu wollen, machten bereits Grabreden auf das Studio Ghibli, die legendäre Schmiede von Miyazakis Erfolgen, die Runde – voreilig, wie sich zeigen sollte. Immerhin ist das Studio weit mehr als nur Miyazaki, und es braucht kein Skript des Großmeisters, um alte Ghibli-Gefühle wieder lebendig werden zu lassen. Dafür genügt schon eine malerisch wogende Landschaft – die Ghibli-Optik ragt aus der Masse der oft halbherzigen Anime-Produktionen weiterhin um Längen hervor, und man könnte durchaus so weit gehen, „Erinnerungen an Marnie“ zum Schönsten zu zählen, was das Studio bislang hervorgebracht hat. Wie so oft ist der Hintergrund, das Szenario selbst eine Hauptfigur in diesem wortwörtlich geisterhaft schönen Märchen um ein unsicheres Mädchen, das durch eine ungewöhnliche Begegnung sich selbst besser verstehen lernt – letztlich eine simple Idee, gedacht für ein Publikum jeden Alters und nicht vergleichbar mit den komplexen Ökodramen der Ghibli-Meisterwerke „Prinzessin Mononoke“ und „Chihiros Reise ins Zauberland“, ohne sich dabei notwendigerweise in deren Schatten einzuordnen: In seiner einfachen und dennoch verrätselten Geschichte verbirgt „Marnie“ eine ungeheure emotionale Macht, die, getragen von erwartbar magischer Musik, immer wieder durch die zauberhaften Bilder bricht.

Wo die Meilensteine Ghiblis monumentale Epen waren, überlebensgroße Geschichten über Schicksal und Menschlichkeit, da ist „Marnie“ ein Porträt leiser und deshalb nicht weniger bedeutsamer Gefühle (vielleicht am Ehesten vergleichbar mit Filmen wie „Totoro“), das vielleicht umso besser mit dem feinsinnigen Pinselstrich sanfter Mienen harmoniert, der längt ein Markenzeichen Ghiblis geworden ist – und sicher auch mit den übernatürlichen Elementen, die als leises Mysterium im Hintergrund die Geschichte begleiten, sich aber nie in den Vordergrund drängen. Immer geht es wirklich um Anna, der es nach und nach gelingt, sich aus ihrem Selbsthass zu befreien, die Dinge über sich herausfindet, die ihr helfen, sich aus ihrem selbst gebauten Kokon zu befreien. Es ist eine universelle Geschichte, die ihre Figuren nicht auf die leichte Schulter nimmt und der es dennoch gelingt, sich zu keinem Zeitpunkt in Schwerfälligkeit oder Komplexität zu verlieren. Hiromasa Yonebayashi nimmt sich das Selbstbewusstsein heraus, eine Geschichte zu erzählen, die sich wirklich an jede und jeden wendet, Kinder wie Erwachsene, und damit Erfolg hat. Lang lebe Studio Ghibli.

Omoide no Mânî (Erinnerungen an Marnie, JP 2014) | Regie: Hiromasa Yonebayashi | Skript: Yonebayashi, Keiko Niwa, Masashi Ando | Originalstimmen: Sara Takatsuki, Kasumi Arimura | 103 min.

Andere Meinungen: Going to the Movies

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2 Gedanken zu „Omoide no Mânî (2014)

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