The Night Before (2015)

„Still weird. Weird-er.“

Was passiert
The Night BeforeSeit Ethan an Weihnachten seine Eltern verloren hat, haben seine Freunde Isaac und Chris es zur Tradition gemacht, die Feiertage gemeinsam zu verbringen und dabei einer Party nachzujagen, die sie nie gefunden haben. Jetzt ist Chris Sportstar und Isaac wird demnächst Vater, deshalb ziehen die drei ein allerletztes Mal los. Nur diesmal ist alles anders: Ethan, der versucht, über die Trennung von seiner Ex-Freundin hinweg zu kommen, hat sich Einladungen für die mysteriöse Party besorgt, während Isaacs Frau ihm als Belohnung für seine Unterstützung eine Kiste voll Drogen mit auf den Weg gibt.

Was Sache ist
Denkt man an Komödien, denkt man zu allererst an, nun ja, Witze. Neudeutsch Gags. Im optimalen Fall gelungene Gags, von denen die besten noch lange im Gedächtnis bleiben. Selbst wer „Christmas Vacation“ mit Chevy Chase seit Jahren nicht gesehen hat, wird sich, zumindest stehen die Chancen gut, noch an übertriebene Festbeleuchtung, faules Fett und amoklaufende Eichhörnchen erinnern. Wie, fragt man sich nun, wird der Publikum im Kontrast dazu Jonathan Levines Festtagsaufguss „The Night Before“ im Gedächtnis behalten, wenn überhaupt? (Man möchte zu aktiver Verdrängung raten.) An einen deprimiert und deprimierend vor sich hin schmollenden Joseph Gordon-Levitt, der den Aufzieher für eine Story gibt, aus der er zur Mitte in vollständig verschwindet? An einen Anthony Mackie im völligen Leerlauf, dessen seltsamer Anti-Steroide-Handlungsbogen in einer Stoner-Komödie ein wenig deplaziert wirkt (was bei vier verschiedenen Screenwritern nicht weiter verwundert)? An einen Drogen dealenden Michael Shannon, der vermutlich wirklich breit am Set aufgetaucht ist, nachdem ihm klar wurde, dass er sich dazu hat überreden lassen, in diesem Stinker mitzuspielen? Man wird wohl bei Seth Rogen hängen bleiben, dessen Dauertrip für geschätze drei Minuten unterhält und für die restliche Stunde wünschen lässt, man wäre selbst nicht nüchern gekommen. Auf seinem Kokshöhepunkt schwelgt sein Charakter in Phantasien, sein noch ungeborenes Kind zu entsorgen, was witzig ist, weil so etwas ja in echt nicht passiert.

Während Mackie mit der talentierten, hier unterforderten Ilana Glazer herumtändelt, deren Grinch-Attitüde gegenüber Weihnachten man zu diesem Zeitpunkt mindestens teilt, bekommt Gordon-Levitt einen unnützen Nebenplot in sein Skript geschrieben, in dem er versucht, seinen Boss und dessen Freund (warum, Jason Jones, warum?) zu verprügeln, weil sie schlechte Weihnachtsmänner abgeben (?), ehe er sich wieder seiner unmotivierten, schlussendlich vollkommen unplausibel gelösten Liebesplot widmen darf. Zur Hilfe taucht, warum auch immer, Miley Cyrus auf; vermutlich hat sie auf irgendeiner L.A.-High-Life-Weed-Party Seth Rogen angegraben. Um fair zu sein, Miley ist das Beste an „The Night Before“, dessen Niveau durch den deutschen Titel „Die Highligen Drei Könige“ durchaus besser eingefangen wird. Natürlich muss James Franco einen Auftritt haben, immerhin ist er bekanntlich vertraglich verpflichtet, in ausnahmslos jedem Film aufzutauchen. Der Witz ist: James Franco ist schwul und steht auf Seth Rogen. Möchte noch jemand lachen? Weil das mit den unmotivierten Cameos so witzig ist, nehmen wir noch Tracy Morgan mit, lassen uns von den Autoren noch einmal mitteilen, warum es wirklich amüsant ist, dass „die Juden unseren Heiland [Highland?] getötet haben“, und stellen indes fest, dass wir einen echten Witz bisher noch nicht gehört haben. Aber das ist sicher nicht so wichtig, immerhin geht es ja eigentlich um Weihnachten und Freundschaft und alle haben sich lieb, und überhaupt ist mit genügend Drogen alles nur halb so schlimm.

Der Trailer übrigens hat einen guten Gag. Mal schauen, ob ihr ihn findet. Hinweis: Er hat nichts mit „The Night Before“ zu tun.

The Night Before (USA 2015) | Regie: Jonathan Levine | Skript: Jonathan Levine, Kyle Hunter, Ariel Shaffir, Evan Goldberg | mit Joseph Gordon-Levitt, Seth Rogen, Anthony Mackie, Lizzy Caplan, Michael Shannon | 101 min.

Andere Meinungen: Going to the Movies

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