Star Wars: The Force Awakens (2015)

„There’s been an awakening. Have you felt it?“

Was passiert
Star Wars The Force AwakensDer Imperator ist tot, doch die Neue Republik kämpft immer noch gegen die Reste des Imperiums, die sich unter dem Namen The First Order neu formieren. Kylo Ren, ein abtrünniger Jedi, landet auf der Jagd nach einem Hologramm auf dem Wüstenplaneten Jakku. Dort fristet die Schrottsammlerin Rey ein tristes Dasein, bis sie dem Ex-Sturmtruppler Finn über den Weg läuft. Dieser hat gerade auf unorthodoxe Weise seinen Dienst quittiert. Gemeinsam machen Rey und Finn sich auf, die von Ren gesuchten Pläne zum Widerstand zu bringen, und erhalten dabei Unterstützung von einem gewissen ehemaligen Schmuggler.

Was Sache ist
Für mich als Kind der frühen Neunziger war die erste (und bis vor kurzem einzige) Star-Wars-Kinoerfahrung der viel gepriesene „Attack of the Clones“, den ich selbst als zehnjähriger Knirps mit wackeligen Analogien über Sand bedacht hätte, hätte ich jemals den Sinn für Poesie eines George Lucas besessen. Ein Glück für die Milennials, dass ihre Einführung in die Kinomagie einer Galaxie weit, weit entfernt (sofern sie nicht in irgendwelche 3D-Rereleases der Prequels gelockt oder gezwungen wurden) um Parsec besser ausfällt. „The Force Awakens“ ist, so viel Hypedämmung muss erlaubt sein, nicht perfekt. Das waren auch die alten Filme nicht, wenn man mir diese Häresie gestattet. J.J. Abrams‘ Ausflug in diese unendlichen Weiten kränkelt unter ganz ähnlichen Schwächen wie sein unterhaltsamer „Star Trek“-Reboot, namentlich mangelhaft motivierte Bad Guys, das ein oder andere Handlungsloch und übertriebener Fan Service, all das hier jedoch in einem deutlich besseren Skript verpackt. Das gilt insbesondere für die erste Hälfte; bis zur Mitte hat die Handlung genügend Tempo aufgenommen, um das Moment bis zum Schluss zu bewahren.

Für die Verbindung zur alten Trilogie sorgt vor allem Harrison Ford, der nach langer Zeit mal wieder so aussieht, als würde schauspielern ihm so etwas wie Freude bereiten. Er bleibt jedoch ausreichend im Hintergrund, um dem neuen Team Raum zum Scheinen zu lassen. Ein zu Filmbeginn präsenter Oscar Isaac als X-Wing-Pilot Poe Dameron verschwindet schnell für einige Zeit, sodass im Fokus vor allem die zuvor weitgehend unbekannten John Boyega und Daisy Ridley als Finn und Rey stehen. Insbesondere Ridley: Sie ist das Highlight des Films, eine energische und inspirierte Performance, die an einen Luke Skywalker von 1977 erinnert und darüber hinausgeht. Besonders darf man J.J. Abrams‘ offensichtliche Freude hervorheben, das lange ausgediente Damsel-in-Distress-Cliché zu zerlegen und an seine Stelle einen echten Charakter zu setzen, der – in diesem Fall: die – uns noch viel Freude machen dürfte. Seine stärksten Momente hat der Film dann auch immer dann, wenn Rey im Bild ist, wahlweise gemeinsam mit Han oder BB-8, der anderen großen Überraschung: Schien der Kugeldroid in den Trailern noch eher Grund zur Sorge, entpuppt er sich im Film nicht nur als kompakte physische Komik, sondern auch als liebenswerter Charakter, um Längen besser als ein in seinem Wert als Comic Relief schon immer überschätzter C-3PO, den man ruhig auf der Schrotthalde hätte lassen können.

Überhaupt ist „The Force Awakens“ sicherlich der bisher humorvollste Film der Reihe. Das geschieht nicht selten auf Kosten des Imperium-Verschnitts The First Order, der zur großen Schattenseite, no pun intended, des Films gerät. Einerseits liegt das an den Darstellern: Während Adam Driver seine Figur lediglich unter Wert verkauft, ist Domhnall Gleeson ein bisweilen unfreiwillig komischer Totalausfall, und Andy Serkis gibt einen holographischen Riesentroll, dessen Name mich jedes Mal zum Schmunzeln bringt. Der Bedrohlichkeitsfaktor ist etwa gleich null, und über die zusammengestückelte Rahmenhandlung um einen planetaren Supertodesstern, der seine Sonne leersaugt (und was dann?), nur um BB-8 zu zerstören, müssen wir gar nicht reden. Zu keiner Zeit fühlt es sich an, als stünde tatsächlich etwas auf dem Spiel, was auch nur im Ansatz mit den ersten beiden Filmen der Reihe zu vergleichen wäre. Schlechte Voraussetzungen für einen Film über den epischen Kampf zwischen Gut und Böse. In diesem Fall kann man es durchgehen lassen, da – und hier ist wiederum der Vergleich zu „Star Trek“ angebracht, für den als Reboot der Reihe das in noch größerem Maße galt – der erste Teil der geplanten neuen Trilogie in allererster Linie die Aufgabe hatte, das Universum neu zu etablieren und seine Figuren auf Linie zu bringen. Das scheint mir beinahe durchweg gelungen. Für die nächste Episode allerdings wird an den Antagonisten zu arbeiten sein. Drivers Kylo Ren hat in dieser Hinsicht Potential, auch wenn ich seinen Arc bis Episode 9 jetzt schon zu riechen meine.

Während sich Abrams 2009 noch anhören musste, sein „Star Trek“ habe mit Gene Roddenberrys Visionen nichts mehr zu tun (ein einerseits richtiger Vorwurf, der zugleich Lichtjahre weit an der Sache vorbei geht), wird ihm niemand vorwerfen können, „The Force Awakens“ sei nicht „Star Wars“. Fans der alten Filme werden hier sogar weit mehr „Star Wars“ finden als in Lucas‘ Prequels mit ihren Midicholrianern und pseudopolitischen Handlungsbögen, die Abrams klugerweise unterschlägt. Gewisse Plotparalellen darf man ihm vielleicht sogar als etwas zu offensichtliche Anbiederung auslegen. (Seine Neuauslegung der Mos Eisley Cantina? Come on. Immerhin wird in diesem Film niemandem ein Arm abgeschlagen.) Warwick Davis, Nien Nunb und Admiral Ackbar haben Cameo-Auftritte, ebenso ein angeschlagen wirkender Slavoj Žižek, der zu interstellaren Laser-Ejakulationen wohl einiges zu sagen hätte, bei seinem etwas überflüssigen Auftritt in der Schlussszene jedoch wortlos bleibt. Diese Szene ist übrigens auch die einzige des Films, die in 3D ein wenig wackelig wirkt; bis dahin ist die Technik so ordentlich integriert, dass ich für einen guten Teil des Films die Brille auf meiner Nase tatsächlich vergessen konnte. Profitieren tut „The Force Awakens“ davon zwar nicht sonderlich. Dennoch ist er, in 2D oder 3D, ein audiovisuell großartiges und inhaltlich mindestens passables Erlebnis: Zwar wird er „The Star Wars Holiday Special“ „Empire“ wohl nicht ganz den Titel des stärksten Films der Reihe streitig machen, aber Star-Wars-Fans dürften sich mit „The Force Awakens“ so zuhause fühlen wie Han und Chewie auf der Brücke des guten alten Millennium Falcon.

8/10

Star Wars: Episode VII – The Force Awakens (USA 2015) | Regie: J.J. Abrams | Skript: Lawrence Kasdan, J.J. Abrams, Michael Arndt | mit Daisy Ridley, John Boyega, Harrison Ford, Oscar Isaac, Adam Driver, Domhnall Gleeson, Lupita Nyong’o | 135 min.

Andere Meinungen: Blockbuster Entertainment, Chaosmacherin, Cinecouch, Going to the Movies, Miss Booleana, Owley

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5 Gedanken zu „Star Wars: The Force Awakens (2015)

  1. Große Zustimmung (auch zu deiner Meinung über die Original-Trilogie, die bei Weitem nicht perfekt ist – aber eben doch (oder gerade deshalb) voll Charme, Ideen und Emotionen strotzt).

    Ich bin der Meinung, dass Abrams hiermit einen sehr vielversprechenden Grundstein für die nächsten zwei Filme der Trilogie gelegt hat und hoffe inständig, dass man die herausragende Rey nicht noch zurechtstutzt und sich ebenso entfalten lässt wie eine gewisse frühere Hoffnung für die Galaxis.

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    • Auf jeden Fall – ich erwarte eine Menge und kann nur hoffen, dass sich die Parallelen zum Star-Trek-Reboot mit diesem Teil erledigt haben. 😉 Insbesondere verspricht Reys Backstory, die hier ja etwas seltsam angerissen wurde, doch noch Ausbaupotential.

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  2. Die Žižek-Referenz gewinnt an Brisanz, wenn man an die Aussagen denkt, die er bezüglich des ödipalen Vaters gemacht hat. In diesem Sinne: Well played.

    Übrigens finde ich, gibt es eine Szene im Film, nein, ein Shot, der vom 3D profitiert. Nicht nur visuell, sondern auch inhaltlich. Es gibt eine Frontalaufnahme des Finalizer-Sternzerstörers, der durch in 3D die Leinwand ausfüllt und einem quasi ins Gesicht gedrückt wird. Da spürte ich ein bisschen die Bosheit und Wucht dieses mächtigen, alten Imperiums, die der First Order sonst ein bisschen fehlte.

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    • Darum habe ich Žižek auch Dan Harmon vorgezogen, der ja genauso funktioniert hätte. :p

      Ja, okay. Sehe ich ein. Wenngleich das halt in „A New Hope“ auch ohne 3D mehr als grandios (um nicht zu sagen: besser) funktioniert hat.

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      • Auf jeden Fall. Obschon ich den opening shot von TFA eine schön gelöste Alternative zum opening shot von ANH fand. Aber ja, das Niveau ist nicht dasselbe.

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