Green Room (2015)

„Things have gone south. It won’t end well.“

Was passiert
Green RoomDie vier Mitglieder einer abgewrackten Punkband, der Ain’t Rights, brauchen nach einer missratenen Tour dringend Kohle – und treten dafür sogar in einem Skinhead-Schuppen auf. Nach einem mehr oder weniger gelungenen Auftritt, bei dem die Punks sich keine Freunde machen, stoßen sie hinter der Bühne auf eine Leiche und werden von den Neonazis festgehalten. Deren Anführer, Darcy, kann keine Cops in seinem Club gebrauchen, der ihm gleichzeitig als Stützpunkt für seine illegalen Machenschaften dient. Die Band allerdings hat etwas dagegen, sich in aller Stille entsorgen zu lassen …

Was Sache ist
Nach seinem Rachedrama „Blue Ruin“ ist Regisseur Jeremy Saulnier erneut auf abgründigen, wenn auch farbigen Pfaden unterwegs und lässt bereits neugierig erwarten, in welches Kubrick’sche Rot er seinen nächsten Albtraum taucht. Sein „Green Room“ ist kein sicherer Rückzugsort, kein Refugium für die Band nach ihrem Auftritt, sondern eine Falle, die, wie Patrick Stewarts minimalistisch gespielter Neonazi ankündigt, kein gutes Ende verspricht. Eine Falle allerdings weniger für das Publikum, das nie zum Wohlfühlen verlockt wird. Von Beginn an wartet „Green Room“ auf mit schmutzigen Farben, einer rauen, nervösen Ästhetik, die keine Sekunde mit einem versöhnlichen Ausklang rechnen lässt. Als kammerspielhafter Thriller angelegt, lässt „Green Room“ bald schon wahren Schrecken aufkommen, statt psychologisch durchgeplant und raffiniert eher wild und animalisch, mit zerfetztem Fleisch und Blutfontänen, die das düstere Grün durchbrechen: ein Trip in eine Hölle, die Zartbesaitete sicher nicht willkommen heißt. Sie werden keine Schockeffekte um des Schocks willen sehen, vielmehr gewinnt Saulnier aus seinen abschreckenden Bildern und glaubwürdigen Darstellern (Anton Yelchin, Imogen Poots) eine ungemein wirkungsvolle Intensität, die jede Distanz zum Publikum einreißt – ein Kunstgriff, den viele Filme gerade im Horror-Genre anstreben und kaum je erreichen. So erweckt „Green Room“ noch eher Erinnerungen an einen „Whiplash“ als an Filme desselben Genres – ein schwer vergleichbares, noch schwerer verdauliches Erlebnis, das dennoch durch und durch zufriedenstellt.

Wertung: 8/10

Green Room (2015) | Regie + Skript: Jeremy Saulnier | mit Anton Yelchin, Imogen Poots, Alia Shawka, Joe Cole, Callum Turner, Patrick Stewart | 95 min.

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