Arrival (2016)

„Are you dreaming in their language?“

Was passiert
arrivalAls, vertielt über den ganzen Globus, mysteriöse Strukturen auf der Erde auftauchen, wird die Linguistin Louise Banks vom US-Militär dazu berufen, einen ersten Kontakt mit den außerirdischen Kreaturen herzustellen. Die Sprache der Wesen, so stellt sich heraus, ist ein Mysterium für sich, und birgt noch größere Geheimnisse. Während Banks von traurigen Erinnerungen geplagt wird, brütet Banks mit ihrem Team über dem rätselhaften Code, um herauszubekommen, was die Besucher aus dem All auf der Erde suchen – eine Frage, die sich mit dem Eingreifen anderer irdischer Mächte als Rennen gegen die Zeit erweisen soll.

Was Sache ist
Die Aussicht, einen Film auf lediglich einer Kurzgeschichte („Story of your Life“ von Ted Chiang) basiert zu sehen, könnte skeptisch stimmen – wäre hier nicht Denis Villeneuve am Werk, der sich in den letzten Jahren („Prisoners“, „Enemy“, „Sicario“) als Großmeister seiner Zunft etabliert hat und mit „Arrival“ endgültig im Olymp der Filmemacher, pardon, ankommt. Ein Science-Fiction-Film; aber das sollte niemanden abschrecken, denn die Ankunft, mit welcher der Film einsetzt, ist keineswegs die der Aliens und stimmt deshalb einen durch und durch ungewöhnlichen Ton an, welcher „Arrival“ über seine Dauer hinweg begleitet: ein gewaltiges Meisterwerk, das seinem dröhenden Score des großen Jóhann Jóhannsson viel zu verdanken hat, aber mindestens ebenso viel Villeneuves ruhiger Hand. Sie führt über den Erstkontakt als Plot-Aufhänger bedächtig zu den großen Fragen hin, die noch lange nach Abspann nachhallen werden, und winkt „Arrival“ damit berechtigt in die lange Reihe der Klassiker des Genres.

Weder droht der Film jemals ins Esoterische abzudriften noch drohen seine Mysterien zu frustrieren; weder lässt er sein Publikum im Regen stehen, auch wenn es auf Hollywood’sche Leichtigkeit meistenteils verzichten muss, noch macht er den Zuschauern die Sache zu einfach. Die Auflösung der Geschichte ist nicht unberechenbar, aber keinesfalls ist sie Standardware. „Arrival“ ist mehr, als sein Genre, und mehr, als der irreführende Trailer suggeriert. Immens geschickt macht Villeneuve sich die Vorzüge des Mediums Film zu Nutze, webt Form und Inhalt so gelungen ineinander wie selten in der Branche. „Arrival“ ist ein Film über Kommunikation, ihre Hindernisse und unerwarteten Durchbrüche, und Chiang, Villeneuve und Drehbuchautor Eric Heisserer wissen nur zu gut, dass ihre Geschichte selbst ein Medium der Kommunikation ist, und das Publikum dieses auf eine anfänglich ebenso unbeholfene Weise zu interpretieren hat wie anfangs des Films Dr. Banks die Sprache der Außerirdischen. Aber der Durchbruch kommt, darauf arbeitet der Film beständig hin, getragen von einem soliden Ensemble um eine gewohnt starke, überraschend ohne große Oscar-Momente aufkommende Amy Adams (daneben Jeremy Renner, Forest Withaker und ein leider mal wieder unter dem Radar fliegender Michael Stuhlbarg), und untermalt von eindrucksvollen Bildern, die einmal mehr ins Gedächtnis rufen, dass Genre-Schätze mit Vision auch ohne Hundert-Millionen-Budgets auskommen können. Was für eine Leistung, was für ein Film.

Wertung: 9/10

Arrival (US 2016) | Regie: Denis Villeneuve | Skript: Eric Heisserer | mit Amy Adams, Jeremy Renner, Forest Whitaker | 116 min.

Andere Meinungen: Going to the Movies, Miss Booleana

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3 Gedanken zu „Arrival (2016)

  1. Was für ein Film! Oh ja, was für ein Film. Villeneuve gehört für mich auch zu den Regisseuren, bei denen ich mittlerweile anstandslos ins Kino rennen würde. Egal, was da kommt. Und „Arrival“ war wirklich ein Hammer. Ein grandioser Film, packend erzählt. Muss mich jetzt auch mal an meine Kritik setzen 😉

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