Game of Thrones 5×10 – Mother’s Mercy

„For the watch.“

Was passiert
Game of Thrones Season 5Der Schnee taut, und vor den Toren von Winterfell stehen die Zeichen auf Schlacht, doch ohne Melisandre. Dafür will Brienne wenigstens einen ihrer Eide erfüllen, während Sansa die Gelegenheit nutzen will, Ramsay zu entkommen. Danys Flucht indes ist nicht ganz nach Plan verlaufen; nun wartet sie im Grasmeer der Dothraki auf eine Rettungsmission. Vor Tyrion liegt einiges an Arbeit, aber zumindest ist er dabei nicht allein. Sam trifft eine Entscheidung. An der dornischen Küste machen sich Jaime und Myrcella zum Aufbruch gen King’s Landing bereit, und auch für Cersei steht ein Tapetenwechsel an.

Was Sache ist
Ein sehr zufrieden stellendes Finale zu einer akzeptablen, aber mehr als wechselhaften Staffel, die vor allem unter den fragwürdigen Entscheidungen der Showrunner David Benioff und D.B. Weiss gelitten hat. Insbesondere der von GRRM oft betonte Schmetterlingseffekt kommt hier zum Tragen: Kleine Abweichungen von der Vorlage in den ersten Staffeln ziehen inzwischen so große Konsequenzen nach sich, dass bisweilen krude Kurskorrekturen anfallen. Mittelgroße Desaster: Shireen, Dorne, die gesamte Sansa-Handlung. Gelungen dagegen, wie die Serie gezwungenermaßen den Meereneese Knot entknotet hat. Auch diejenigen Handlungsstränge, die keine allzu großen Änderungen verlangten, haben funktioniert: Cerseis Fall, Jons Mission, Aryas bislang nur angerissenes Training. Die Entscheidung, Bran für dieses Jahr außen vor zu lassen, hat sich ebenfalls bewiesen, auch wenn sie Theons Entwicklung einige Nuancen gekostet hat, die auf dem Bildschirm wohl eh nicht funktioniert hätten, dank (dem neben Dinklage und Headey überragenden) Alfie Allen aber auch nicht weiter gefehlt haben.

In und um Meereen: Es spricht nicht für Screenwriter-Qualitäten, eine Szene mit sämtlichen Charakteren, reglos in einem Raum sitzend, zu beginnen, um diese anschließend zu der Erkenntnis gelangen zu lassen, dass sie dringend etwas unternehmen müssen und keine Zeit zu verlieren haben. (Ernsthaft, sind Tyrion, Jorah und Daario mit hängenden Köpfen in den Thronsaal geschlichen und haben sich schweigend möglichst fotogen auf die Stufen gesetzt, um auf Missandei und Grey Worm zu warten?) Die Lächerlichkeit beiseite, war die Szene reine Exposition für Season 6 mit einem vergnüglichen Pärchenausflug (Jorah, Daario) und hoffentlich einem spaßigen Beziehungsdreieck (Missandei, Grey Worm, Tyrion – Fan fiction anyone?), das netterweise endlich durch Varys ergänzt wird. (Man sollte meinen, Jorahs Ruderboot hätte der Gute schon überholen können.) Auch wenn die Spinne eigentlich in King’s Landing gebraucht wird: Ich freue mich über jede Szene mit Conleth Hill, zumal in herrlich intriganter politischer Zweisamkeit mit Tyrion. Das Finale mit Dany entspricht nicht ganz dem des fünften Buches, was sich durch die abgeänderten Rollen für Jorah und Daario erklärt und völlig in Ordnung ist, auch wenn es leider einen konventionelleren Damsel-in-Distress-Plot in Aussicht stellt (wobei die Show solche Erwartungen ja gerne mal weckt und dann mit Nachdruck vom Tisch schubst). Zumindest verspricht der Handlungsbogen weniger denn je einen baldigen Drachenritt gen Westeros. Aber HBO würde ja gerne noch fünf weitere Staffeln füllen. (Yay …) Sidenote: Der einzige Handlungsstrang in dieser Folge ohne tote Menschen!

In Dorne: Sind wir alle froh, dass die Dorne-Soap-Opera jetzt gegessen ist? Letztes Jahr waren wir alle begeistert über die Aussicht, dass Alexander Siddig den Main Cast der Serie begeistert. Nun war er die ganze Staffel über kaum zu sehen, hatte nichts zu tun, anscheinend keine Hidden Agenda, keinen Plan, Dorne taugte lediglich als klimatische Abwechslung mit schlechter Kampfchoreographie, uninspirierten Sandschlangen und der Entfaltung von Jerome Flynns Gesangstalent. Dann hätten wir Jaime gleich in den Riverlands belassen können. Zugegeben, seine Abschlussszene mit Nell Tiger Free (hach, dieser Name …) war ausgesprochen süß, und das grausame Ende die logische Konsequenz in dieser Staffel. Als Resultat dürfte Jaime dann Trystane hinrichten lassen, und wir bekommen doch noch dornische Action zu sehen, leider nicht nur auf Kosten der einzigen rundum glücklichen Charaktere in diesem Spaß, sondern auch deutlich ungeschickter und uninteressanter als in der Vorlage. Dabei hat die Serie doch zur Genüge gezeigt, dass höfische Intrigen völlig reichen, um zu fesseln. Hach ja. Punktabzug, Schwamm drüber, weitermachen.

In Braavos: Drei Möglichkeiten: Entweder haben Benioff und Weiss noch nie etwas von Chekov’s Gun gehört, oder sie haben sehr wohl und übertreiben es mit dem Publikum-in-die-Enge-führen, oder die Schreiberlinge der einzelnen Folgen reden einfach nicht miteinander. Weder Sansas Korkenzieher noch, in diesem Fall, Aryas Gift kommt zum Einsatz, stattdessen darf Arya Meryn Trant nach Lust und Laune niedermetzeln, und es ist ziemlich großartig. Noch mehr: Die anschließende Szene in der Halle der Gesichter.

In King’s Landing: Es war lange abzusehen, dass Cerseis Walk of Shame die Staffel krönen würde, und Lena Headey hat geliefert. Ich war in ehrlicher Sorge, dass der Verlust des inneren Monologs die Szene viel von ihrer Tiefe nehmen würde, und nun, ganz so unangenehm und gleichzeitig fesselnd wie in „A Feast for Crows“ war der Lauf durch King’s Landing nicht, aber doch annähernd. Sie mit einem Ausblick auf Robert Strong enden zu lassen (nachdem zufällig gerade ein Posten in der King’s Guard freigeworden ist, ohne dass jemand in King’s Landing davon wissen dürfte, aber die Anzahl der Wächter in der Serie scheint ohnehin keinen allzu fixen Regeln zu folgen – zumindest kann ich mich nicht erinnern, Arys Oakheart oder Balon Swann zu Gesicht bekommen zu haben) ist eine Entscheidung, die Sinn ergibt, da die Folge mit Jon endet und daher den Absacker an Dramatik vertragen kann; cooler wäre natürlich das halb offene Tor im Red Keep gewesen, Cersei stolpert hindurch und Cut to Black. So aber: Alles richtig gemacht. Der Sparrow-Plot hat funktioniert und auch das Potential, weiterhin zu funktionieren.

Im Norden: (Erinnert sich noch jemand an die Iron Bank? Vorhersage für nächste Staffel: Mark Gatiss fischt Gendry aus dem Meer und plant, ihn als letzten verbliebenen Baratheon-Spross auf den Iron Thron zu setzen. Just go with it.) Nachdem Stannis in der vergangenen Woche Tywin Lannister den Titel „schlimmster Vater von Westeros“ entrissen hat, darf er sich nun auch endgültig den für den schlechtesten Kriegsherr aller Zeiten anheften – und das von jemandem, der eigentlich der beste Kommandeur von Westeros sein sollte. Kundschafter? Eine Vorhut? Geordneter Marsch, zumindest in Sichtweite der feindlichen Burg, die man belagern möchte? Ich vermute, dass Benioff und Weiss an diesem Punkt realisierten, dass sie diesen Plot derart versemmelt haben, dass eine vernünftige Auslösung dann auch egal war. Nachdem Brienne eine ganze Staffel lang noch weniger zu tun hatte als in „A Feast for Crows“, war das Ende dann immerhin eine Erlösung. Weitere Abgänge: Myranda, als Fleischklumpen im Hof von Winterfell – yay, Reek -, und Selyse Baratheon, vorhersehbar, aber stimmungsvoll. In den gleichen Kreis gesellt sich scheinbar, nachdem sich Sam endlich in Richtung Oldtown verabschiedet hat, Jon Snow in einer famosen Et-tu-Brutus-Szene, wobei ich aus dem Stand in einer fünfzehnminütigen Rede ausführen könnte, warum ich es für arg unwahrscheinlich halte, dass Jon tatsächlich das Zeitliche segnet (egal, was Kit dazu sagt). Nur so viel: Weshalb Melisandres Rückkehr nach Castle Black? Erkannt, dass Stannis doch nicht der auserwählte Azor Ahai ist? Bereit für ein wenig Wiederbelebung, Thoros-von-Myr-Style? Ich bezweifle, dass sie Alliser Thorne zuliebe zurückgekommen ist. Die Vermutung liegt also nahe, dass Kit Snow sich jetzt ein halbes Jahr lang halbgare Ausreden überlegen darf, warum er immer noch mit Zottelmähne herumläuft. Nächstes Frühjahr geht’s weiter.

Beste Szene der Folge: „You are still someone, and to someone the faces are as good as poison.“ Schwere Auswahl diesmal, aber der Jaqen-Scheintod (der den Headcount namentlich bekannter Charaktere in dieser Folge allein auf 7 gebracht hätte) war für mich tatsächlich der Schockmoment schlechthin, und Aryas Panikanfall und anschließende Blindheit grandios gespielt. Ihr Plot funktioniert tatsächlich, wie erwartet, weniger gut als auf Papier, trotzdem hat er viel Spaß gemacht und lässt auf mehr freuen.

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