Hacksaw Ridge (2016)

„I don’t know how I’m going to live with myself if I don’t stay true to what I believe.“

Was passiert
hacksaw-ridgeAls die USA in den Zweiten Weltkrieg hineingezogen werden, meldet sich, zum Ärger seines kriegsmüden Vaters, auch Desmond Doss zum Dienst – jedoch nicht an der Waffe, denn der streng gläubige Siebenten-Tags-Adventist weigert sich, eine solche in die Hand zu nehmen und das Töten zu lernen. Bei seinem Regiment hat er damit einen schweren Stand, erkämpft vor einem Militärgericht jedoch sein Recht, als Mediziner im Pazifikkrieg dienen zu dürfen, und zieht mit seiner Einheit in eine der blutigsten Schlachten des Zweiten Weltkriegs, nach Okinawa und auf die Hacksaw Ridge, in den japanischen Kugelhagel…

Was Sache ist
Er ist wieder da: Bei den politischen Umwerfungen der Gegenwart scheint es beinahe schon folgerichtig, dass Berufswirrkopf und Antisemit Mel Gibson, einst in Hollywood geächtet, im Jahr 2017 wieder hoffähig wird. So hat sein Kriegsfilm „Hacksaw Ridge“, der in den nächsten Tagen in Deutschland anläuft, gestern sechs Oscar-Nominierungen für sich verbuchen können, u.a. als bester Film sowie für Gibson als bester Regisseur – ein Hohn, denn der vermeintlich Bekehrte wandelt zwar mühsam auf den Spuren Clint Eastwoods, dessen „Sully“ er im Oscar-Rennen das Wasser abgegraben hat. Jedoch fehlt Gibson Eastwoods Bereitschaft, sich selbst in Schranken zu halten, nicht mit der Tür ins Haus zu fallen. Es mangelt „Hacksaw Ridge“ nicht an Möglichkeiten, sein Material zum Scheinen zu bringen; technisch überzeugend, findet Gibson für den Kriegswahnsinn in der zweiten Hälfte des Films durchaus nette Bilder, die freilich dem Genre nichts Neues beizusteuern haben. Was dem Film das Rückrat wenn nicht bricht, so doch zumindest anknackst, ist Gibsons Unfähigkeit, der Versuchung zu widerstehen, seinen Desmond Doss als messianische Wundergestalt zu inszenieren, von einer Minute zu anderen zwischen grimmigem Kriegsrealismus und blindwütiger Heldenverehrung hin und zurück zu springen und dabei mitunter den Eindruck zu erwecken, als hätte man Forrest Gump in die Eröffnungsszene von „Saving Private Ryan“ plumpsen lassen. Symbolische Subtilität wird man hier vergeblich suchen. Dass Gibson den religiösen Fundamentalismus seiner Hauptfigur in Zeiten wie diesen vielleicht etwas zu wohlwollend sieht, ist dann beinahe folgerichtig. Nachdem „Hacksaw Ridge“ in seiner ersten Hälfe, gerade dank des wirklich hervorragenden Andrew Garfield, sich noch charmant in Szene setzte, regt er im weiteren Verlauf dann eher zum Kopfschütteln ein. Herr Gibson, bitte zurück in den vorgezogenen Ruhestand.

Wertung: 5/10

Hacksaw Ridge (AU/US 2016) | Regie: Mel Gibson | Skript: Robert Schenkkan, Andrew Knight | mit Andrew Garfield, Hugo Weaving, Teresa Palmer, Vince Vaughn | 139 min.

Weitere Meinungen: Blockbuster Entertainment

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3 Gedanken zu „Hacksaw Ridge (2016)

  1. Hmm… schade. Aber ich hatte so etwas schon irgendwie befürchtet. Gerade das Thema Religion und Mel Gibson ist ja schon ein bisschen kritisch. Ich werde ihn mir trotzdem mal anschauen… einfach nur, weil sie ihm ja die Nominierungen geschenkt haben, die er bekommen hat.

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    • Sagen wir mal, der Film ist zumindest im Endergebnis genau das geworden, was ich erwartet habe. Die anfängliche Romanze war, dank des charmanten Garfield, deutlich erträglicher als befürchtet, der Bombast gegen Ende hat mich dagegen überraschend völlig kalt gelassen und war eher unfreiwillig komisch. Absolutes Mittelmaß.

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      • Hmm… okay. Ich werde es mir trotzdem mal anschauen müssen. Mit Ausnahme von „Die Passion Christi“ konnte ich den meisten Mel Gibson Regiearbeiten immer noch was abgewinnen.

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