The Lord of the Rings (2001-03)

„Those were the stories that stayed with you. That meant something, even if you were too small to understand why.“

Was passiert
The Fellowship of the Ring ExtendedVor zweieinhalb Jahrtausenden wurde der dunkle Herrscher Sauron von einer Allianz aus Menschen und Elben niedergeworfen, seine Armeen zerschlagen. Doch sein Geist existiert weiter, gebunden an den Einen Ring, vom Menschenkönig Isildur genommen und dann verloren, verschollen und vergessen – ehe der Ring gefunden wird, im Besitz eines abenteuerlustigen Hobbits im fernen, friedlichen Auenland. Doch der Ring kann dort nicht bleiben, denn Sauron rührt sich wieder, und seine Schergen haben sich bereits auf den Weg gemacht, das wertvolle Kleinod einzufangen.

Was Sache ist
Braucht die Welt 2015 noch eine Besprechung von Peter Jacksons „The Lord of the Rings“-Trilogie? Nein. Der folgende Text ist daher auch weniger Kritik als durch und durch subjektives Protokoll eines Marathons.

Als „The Fellowship of the Ring“ in die Kinos kam, im Dezember 2001, war ich gerade zehn geworden, was im Großen und Ganzen das perfekte Alter für eine ziemlich unvergessliche Kinoerfahrung sein dürfte. Da mein Langzeitgedächtnis allerdings ausgesprochen furchtbar ist, erst recht, was Kindheitserinnerungen angeht, ist meine lebendigste Erinnerung an alle drei Kinofilme, vielleicht abgesehen vom tränenreichen Finale von „The Two Towers“ (aber wir kommen noch dazu), seltsamerweise, im Vorprogramm des zweiten Films den Trailer von „Schultze Gets the Blues“ gesehen, sehr gelacht und mir vorgenommen zu haben, 2003 also mindestens zweimal ins Kino zu müssen. (Sehr zurecht; „Schultze“ stellte sich im Sommer 2003 als einer der wundervollsten deutschen Filme überhaupt heraus, auch wenn – oder weil – der cineastische Anspruch vielleicht ein etwas anderer ist.)

Also wenig Erinnerungen an mein Kinoerlebnis – was, der Fairness meinem Gedächtnis gegenüber, daran liegen mag, dass ich die Filme seither nicht gerade selten wiedergesehen habe (im Gegensatz zu „Schultze“ übrigens, für den sträflicherweise nur eine Zweitsichtung drin war). Vor dem Kinostart von „The Two Towers“, Dezember 2002, dürfte bereits die Extended Version von „The Fellowship“ erhältlich gewesen sein und musste natürlich in Vorbereitung geschaut werden, selbes Spiel 2003 für „The Return of the King“, und das Ganze hat sich dann schnell zu einer der wenigen jährlichen Traditionen entwickelt, denen ich durchaus gerne fröne. Nach Adam Riese macht das bislang, dieses Jahr eingerechnet, fünfzehn Ausflüge mit der Gemeinschaft. (Der einzige Film, den ich ebenso oft gesehen haben könnte, ist Sam Mendes‘ „American Beauty“, der mich recht intensiv durch meine Teenager-Jahre begleitet hat und den ich immer noch als einen meiner Lieblingsfilme zähle.)

Diese Tradition hat sich lediglich in einer Hinsicht geändert: Wie J.R.R. Tolkien sein linguistisch motiviertes Über-Epos als einen einzigen Band in sechs Unterbüchern beabsichtigte, der lediglich der Marketability halber in eine Trilogie verwandelt wurde (die ich übrigens erst ein einziges Mal, um 2002 herum, komplett gelesen und ansonsten häufig angefangen und wieder abgebrochen habe), ist auch für die Filme nicht unsinnig, diese an einem Stück zu genießen. Im Gegensatz zu anderen Trilogien gibt es eine durchlaufende, filmübergreifende Handlung, die darüber hinaus stark von der Atmosphäre von Peter Jacksons Wunderland Mittelerde getragen wird, in die man sich gut und gerne mal einen halben Tag fallen lassen kann – so lange dauert es tatsächlich: Zusammen kommen die Extended-Version-DVDs auf 672 Minuten, also etwas über elf Stunden. Die BluRays knacken sogar die gloreichen Zwölf – und natürlich ist es schon der Gesundheit zuliebe nicht falsch, auch ein wenig Zeit für Pausen einzukalkulieren, denn zumindest ich gehöre nicht zu den Menschen, die regelmäßig halbe Tage vor Bildschirmen in abgedunkelten Räumen verbringen. So sehr diese Art von Marathon ein Erlebnis ist, das ich gerne wiederhole, so anstrengend kann es auch bisweilen sein. (Vor zwei Jahren hatte ich mich gemeinsam mit Freunden im brüllend heißen Hochsommer zu einem LotR-Marathon durchgerungen. Keine gute Idee. Echt nicht.)

Der Vollständigkeit halber sei an dieser Stelle kurz die Handlung zusammengefasst. Wir befinden uns im Shire (Auenland für O-Ton-Verächter; fun fact: Ich schreibe diese Zeilen in einem Münsteraner Stadtteil namens Auenviertel), einem vergnügt-ruralen Flecken Land in einer spärlich besiedelten Welt namens Mittelerde. Hier leben Hobbits: Kleine, menschenähnliche Wesen, deren Abenteuerlust von ihrem Appetit deutlich in den Schatten gestellt wird. Als Bilbo Baggins, eine seltene Ausnahme von dieser Regel, das Auenland verlässt, um sich in der Ferne zur Ruhe zu setzen, hinterlässt er seinem Neffen Bilbo seinen ganzen Besitz, inklusive eines merkwürdigen Kleinods: Einem Zauberring, der seinen Träger unsichtbar macht. Der Zauberer Gandalf, ein alter Reisegefährte Bilbos, ist besorgt über die Herkunft des rätselhaften Rings und macht sich auf die Suche nach Antworten, die er schließlich findet: Es handelt sich um den Einen Ring, der die Macht des dunklen Herrschers Sauron in sich trägt. Sauron, vor tausenden von Jahren von einem Heer der Menschen und Elben vernichtend geschlagen, wurde für tot, der Ring für verschollen gehalten – doch nun regt Sauron sich wieder und schickt seine Diener auf die Suche nach der einen Waffe, die er benötigt, um seine alte Macht wiederzuerlangen: Frodos Ring. Doch kommt er nicht auf die Idee, dass seine Gegner versuchen könnten, den Ring zu zerstören – in der Feuerkluft des Schicksalsberges, mitten im Land des Feindes, in Mordor.

The Lord of the Rings: The Fellowship of the Ring – Special Extended DVD Edition (2001)

12:30: Wetter nicht zu heiß, ausgeschlafen, gute Voraussetzungen für einen Samstag in Mittelerde. Ich bin mental schon im Auenland und gar nicht auf den Prolog eingestellt. Kein Freund von einleitenden Zusammenfassungen – die Titel Scrolls bei „Star Wars“ strengen mich immer an. Dank Cate Blanchetts Stimme funktioniert der Einstieg in „The Fellowship“ aber gut, obwohl speziell die erste Schlacht gegen Sauron, gemessen am Standard der Filme, immer etwas billig aussieht. Budget-Resteverwertung. Schön auch der Umstieg von Blanchetts zu Ian Holms Off-Stimme, von dramatisch zu gemütlich. Was natürlich fehlt ist das komplette Ring-Gedicht, was Jackson selbst bedauert hat. Das Auenland dagegen ist super getroffen. Gandalfs erster Auftritt bringt Frodo dazu, sein Buch im Wald liegen zu lassen. Die Szenen mit Ian McKellen und Ian Holm sind rundum großartig; McKellens Gandalf wurde zurecht gelobt, auch mit einer Oscar-Nominierung (sehr ungewöhnlich für Fantasy-Darsteller), Bilbo ist dabei etwas untergegangen. Schade. Erste große Abweichung vom Buch: Bei Bilbos Verschwinden verzichtet Gandalf aus Gründen der Dramatik auf Spezialeffekte.

13:00: Die Reise beginnt, dramatisch gestrafft statt 17 Jahre später wie im Buch. Gandalf reitet nach Isengard, und die anschließende Szene erinnert mich immer an „The Importance of John Williams“. Hier ist es natürlich Howard Shore, der dafür sorgt, dass zwei alte Männer, die rücklings durch Orthanc hüpfen, sich nicht vollkommen lächerlich machen. Frodos erste Begegnung mit einem der schwarzen Reiter gehört immer noch zu den eindringlichsten Szenen der Trilogie. Sollten sich Spinnen in Tolkiens Welt von dem Bösen nicht eher angezogen fühlen? Peter Jackson lässt sich samt Karotte in Bree sehen (in „Return“ wird er als Korsar von Legolas erschossen; seinen Cameo in Helm’s Deep in „Two Towers“ verpasse ich immer).

13:45: Wichtige Änderung: Statt Glorfindel ist es Arwen, die Frodo nach Rivendell bringt. Zwar scheitern die Filme allesamt am Bechdel-Test, trotzdem gesteht Jackson den weiblichen Rollen ein wenig mehr Agency zu, als Tolkien das tut – insbesondere Arwen, die ihre Entscheidung gegenüber sowohl Aragorn als auch Daddy Elrond durchsetzt. Dennoch ist die Trilogie nicht gerade ein feministischer Meilenstein. Die Flusslawine als Arwens Aktion zu verkaufen nimmt dem Land allerdings einen Teil seiner Magie – dazu exzellent: Niels Werber zu Geopolitik in Mittelerde. „What grace is given to me, let it pass to him“ – bereits ein Ausblick auf Arwens Entscheidung, allerdings habe ich nie recht verstanden, was genau sie damit nun bewirkt, falls überhaupt, und warum. Boromir trifft Aragorn im Stadtmuseum Rivendell, eine wunderbare Szene. Hugo Weaving als einzige Fehlbesetzung der Trilogie macht große Gesten. Elronds Rat in aller Kürze, dann steht auch schon die Gemeinschaft, obwohl Merry und Pippin hier etwas unerklärlich reinrutschen – im Buch ist das glaubwürdiger gelöst. Nach dem ersten Sechstel erst mal eine kleine Pause.

15:05: Es geht ohne Musik weiter: Shores Score ist so präsent, dass jeder Moment Stille auffällt. Kurz darauf sind wir schon vor Moria und begegnen Cthulu. Schönes Detail: Auf Caradhras stolpert Frodo einmal und verliert sofort den Ring, da dieser von Boromir gefunden werden möchte; das Seemonster dagegen wirbelt ihn kopfüber durch die Luft, und der Ring bleibt trotzdem an Frodo hängen – nicht unlogisch, ganz im Gegenteil. Warum liegen all die toten Zwerge direkt am Eingang der Mine? Was haben sie da gemacht? Erster Auftritt Gollum. Sean Beans herrlich zynisch-resigniertes „They have a cave troll“ ist der beste Grund, die Filme im Original zu schauen. Umringt von Goblins, dann der Balrog ex machina: Cleverter Twist auf das Fantasy-Cliché der Rettung in letzter Sekunde. Für mich Höhenängstler die Treppensequenz ohne Geländer immer beklemmend.

15:45: Nicht zum ersten Mal (auch auf Caradhras) ist gerade Boromir derjenige, der sich (emotional) für die Hobbits einsetzt, während Aragorn ganz rationaler Pläneschmieder ist – besser für einen militärischen Anführer, aber für einen König? Die Beleuchtung in Lórien ist große Klasse, Sams Dichtkunst zumindest süß. Boromir über Galadriel: „She told me that even now there is hope left“ – Auftakt zu einer ganzen Reihe von Hope-Dialogen. Während seiner Kindheit in Rivendell wurde Aragorn Estel, Hoffnung, genannt. Peter Jackson, der alte Nerd, weiß das und will, dass wir wissen, dass er das weiß, und streut deshalb in jeden Dialog über das Ende des Krieges mindestens eine Prise Hoffnung. Erwähnte ich schon, dass Cate Blanchett ganz hervorragend ist? Sean Bean aber auch. Die Fälle von Rauros; hier gefällt mir die Animation der Ringwelt am Besten. „I would have followed you, my brother – my captain – my king“ – so geht Pathos. Sean Astin sorgt dagegen für die kleinen Momente und ist eh der heimliche Star der ganzen Reihe.

The Lord of the Rings: The Two Towers – Special Extended DVD Edition (2002)

16:40: Meine Leseversuche scheitern für gewöhnlich spätestens an Buch 4 und Frodo/Sams furchtbar öder Reise durch eine furchtbar öde Landschaft. Zurecht fasst sich der Film da etwas kürzer. Warum trägt Gollum eigentlich einen Lendenschurz? Man sollte meinen, dass der Gute auf Pietät keinen großen Wert mehr legt. Für Saruman sind die titelgebenden „Two Towers“ Orthanc und Barad-Dûr, was Tolkien nie spezifiziert hat. „They’re taking the Hobbits to Isengard!“ Jackson deutet hier ein wenig in Richtung Systemkonflikte, lässt Saruman von Industrie faseln. Bergclans fühlen sich von den blonden Ariern, Verzeihung, den Rohirrim vertrieben – zurecht? Und warum muss der einzige Überläufer (Grima) eigentlich ausgerechnet der Rohan-Mensch (was ist der Singular von Rohirrim?) sein, der nicht auf ein NSDAP-Wahlplakat gepasst hätte? Ich stelle ja nur Fragen. „A red sun rises. Blood has been spilled tonight“: Ich bin ein wenig skeptisch, was elbische Meterologie angeht. Bei den politischen Verhältnissen Mittelerdes dürfte es sonst wohl an blauem Himmel mangeln. Die Suche nach den Hobbits gefällt mir. Auf nach Edoras, die fallende Flagge und die nicht zu übersehende Tatsache, dass es Mittelerde außerhalb vom Auenland an Landwirtschaft mangelt. Wo sind all die Felder und Bauerndörfer?

17:28: Frodo und Smeagol haben ihre erste Annäherung – kein Fokus der Story, darum könnte das auch subtiler ausfallen. Der alte Eichenmann als Wink Jacksons an Bombadil-Puristen (zu denen ich nicht gehöre). Wunderbar stimmige Szene: Das Begräbnis Theodreds und das Danach. Bernhard Hill ist vielleicht nicht der größte Schauspieler auf Erden, bringt hier aber alles zusammen. Eowyn: „Those without swords can still die upon them“ – gute Beobachtung. So verleihe doch jemand einen Oscar an Christopher Lees Augenbrauen! Faramirs kurze Ansprache über den Mut des namenlosen toten Haradrim bringt einen Hauch von moralischer Komplexität in Tolkiens Schwarz/Weiß-Universum: Genozid an Orks vertretbar, aber bei „bösen“ Menschen sollte man vorher zumindest einmal drüber nachdenken. Ich nehme das so hin, weil meine Konzentration unvermeidbarerweise inzwischen doch ein wenig nachlässt.

18:30: Ungefähr die Hälfte geschafft. Zeit für ein bisschen Comedy: Bärtige Zwergenfrauen (naja), Eowyns Kochkünste (okay). Mehr Hope-Wortspiele. Saruman, nicht etwa die Chinesen, hat das Schießpulver erfunden, was zur Frage anspornt: Wären die Alliierten untergegangen, hätten den Ring aber vorher außer Reichweite geschafft, wer würde dann einen Kampf um die Vorherrschaft in Mittelerde gewinnen? Sauron mit mehr Manpower, oder Saruman mit technologischem Fortschritt? Ich würde auf den Zauberer setzen. Telepathische Zwiesprache Elrond-Galadriel: Etwas seltsam, aber dramaturgisch gar nicht falsch, läutet den Endspurt ein. Elben in Helm’s Deep: Neben der Befreiung des Auenlandes größte Abweichung vom Buch, ergibt wenig Sinn im Kontext der Tolkien’schen Mythologie, durchaus aber für Jacksons Diversity-Management. (Vermutung: Jackson liebt Mittelerde nicht aus denselben Gründen wie Tolkien. Aber das gilt wohl für die meisten Fans.)

19:30: To battle. Leichenzählen von Gimli und Legolas: Hier angemessen, weil Zynismus im Angesicht des sicheren eigenen Todes durchaus verständlich ist. In „Return“: Eher daneben. Kaum ist mal ein Ork mit Schießpulver unterwegs, leidet Legolas‘ Trefferquote auf einmal – nun ja. Der ausradierte Süd-Fangorn zunächst komplett ohne Musik: Jackson weiß schon sehr gut, wann er Shore einzusetzen hat und wann nicht. (Die Geographie ist übrigens Murks hier; Isengard liegt im Westen von Fangorn, und wollten die Hobbits an Sarumna vorbei Richtung Auenland, hätten sie schon durch die Misty Mountains kraxeln müssen. Logik kann auch manchmal nerven.) Wieder einmal Zeit für Rohan’schen Pathos: „Now for wrath, now for ruin and a red dawn“ ist ein wunderbarer Schlachtruf (für altehrwürdige Englisch-Professoren, wenn auch nicht für barbarische Möchtegern-Wikinger). Anfangs hatte Éomer deutlich weniger Reiter dabei. Sams Rede zu den Bildern des Sieges von Helm’s Deep und der Überflutung von Isengard ist der schönste Teil des Films, leider bin ich inzwischen etwas zu müde zum Genießen. Vielleicht sollte ich einen Abstecher in Sarumans Speisekammer unternehmen? Noch mal Sam: „Let’s hear about Frodo and the Ring.“ Bin doch längst dabei. Das wunderbare Umfallen der Musik hin zu Gollums Selbstgespräch, und dann zum Abspann hin „Gollum’s Song“ von Emiliana Torrini, den ich früher verabscheut habe, inzwischen aber recht gerne mag. Der Abstand selbst ist übrigens lang genug, um nebenbei Essen zu machen. Also: Kaum eine Pause nötig.

The Lord of the Rings: The Return of the King – Special Extended DVD Edition (2003)

20:50: Smeagols Verwandlung ist zwar technisch beeindruckend, hätte man für die Kinofassung aber ruhig schneiden können. Treebeard has „taken over management of Isengard“: Die Filme scheinen mir gelegentlich etwas anachronistisch in der Wortwahl. Saruman ist inzwischen machtlos gegenüber Gandalf, weshalb ich mich wundere, wie genau eigentlich Magie in Mittelerde funktioniert. Hat Saruman durch seinen Raubbau einfach den Kontakt zur Natur verloren, oder ist da eine psychologische Komponente im Spiel? Beleidigung des Jahres: „You are a lesser son of greater sires.“ Bitch! Etwas netter: „A fool, but an honest fool.“ Leider erfahren wir in den Filmen wenig bis nichts über die Palantiri; haben sie, in geringerem Maße als die Ringe, ebenfalls eine Tendenz zur Erzeugung von Sucht, was der Grund für Pippins Verhalten wäre? (Außer einer kurzen Andeutung wird auch kein Wort darüber verloren, dass exzessiver Gebrauch eines Palantirs wohl der Grund war für Denethors, sagen wir, geistiges Nachlassen.) Arwen sieht ihren zukünftigen Sohn, obwohl Darwin menschlich-/elbisches Crossbreeding wohl eher skeptisch sehen würde. So ganz logisch scheint mir diese Vision nun auch nicht, aber gut.

20:54: Die Orks greifen Osgiliath an und vergessen, dabei ihre Fackeln auszumachen, was in Sachen Heimlichkeit vielleicht helfen könnte. Es kommandiert: Sloth aus „The Goonies“. Die „Lighting of the Beacons“-Sequenz ist immer noch großartig; nun könnte man auch hier die Frage stellen, ob da tatsächlich das ganze Jahr über jemand auf einem eisigen Gipfel irgendwo über den Wolken hockt, und wie der sich ernährt, und wer eigentlich nach jedem Krieg einen neuen Stapel Holz auf diese Berge schleppt, und ob man das nicht einfacher lösen könnte, indem man sich von Gandalf ein paar Feuerwerke ausborgt. Aber in diesem Fall lasse ich die „ist halt Fantasy“-Ausrede mal gelten, weil es halt so cool ist. Hier wieder: keien Felder! Faramirs Familienprobleme werden vielleicht etwas ausführlich behandelt. Vernünftige Schlachtordnung kann er offenbar auch nicht, zumindest, um eine Stadt einzunehmen. Er wird aber nur von zwei Pfeilen getroffen, untrügliches Anzeichen, dass er überlebt. (Bei Boromir waren es drei.) Billy Boyd kann singen. Ganz groß: John Noble. Elrond schaut auf einen Kaffee vorbei und bringt mehr Hope-Wortspiele mit.

23:00: Das letzte Sechstel. Ich habe inzwischen diesen Druck um die Augengegend, den man nach exzessivem Fernsehschauen bekommt; seltsamerweise hilft das aber bei der Konzentration. Frodos Earendil-Phiole muss ziemlich stabil sein; Kompliment an elbische Glasmanufaktur. Elijah Woods Orgasmusgesicht, nachdem er „gestochen“ wird – okay, unter Müdigkeit werde ich ein wenig albern. Badass-Phrase schlechthin: „Go now and die in what way seems best to you“. Hätte man die Zivilbevölkerung Minas Tiriths nicht ein wenig früher in die oberen Stadtquartiere evakuieren können? Die Geisterarmee wird verfrüht abkommandiert, anstatt sie mal eben durch Mordor zu hetzen. Wäre ja auch zu einfach gewesen. Eomers Verzweiflungsschrei; Karl Urban ist in seiner Rolle überhaupt unterfordert. Houses of Healing: Eine meiner liebsten Stellen in den Büchern, hier stark verkürzt. Mehr Hope-Wortspiele. Unterhaltsamer Ork-Zwist; leider scheinen die Kameraden außer Wut und Hunger keine Emotionen zu kennen. Wovon ernähren sich eigentlich Orks? Die ökonomische Struktur Mordors lässt ja eigentlich nur Kannibalismus zu, was beim Aufbau von Armeen eher hinderlich sein dürfte. Aragorns Miene zum Mouth of Sauron: Gold wert, aber keinen Grund, einen friedlichen Gesandten zu köpfen, Herr Monarch. Oh, Adler. Wären die mal früher gekommen. Bei den multiplen Enden werde ich zu emotional, um noch mitzuschreiben. Gar nicht langweilig, was habt ihr? Nach elf Stunden Mittelerde ein schöner Ausklang, auf dem Schlussakkord mit „Elanor“, dem schönsten Stück des ganzen Scores. Um 0:49 ist Schicht, der Abspann läuft noch eine halbe Stunde aus. Man ist aber schon eher müde, nachdem man dreizehn Monate durch Mittelerde gelaufen ist. War schön, bis nächstes Jahr.

The Lord of the Rings (USA/NZ 2001-03) | Regie: Peter Jackson | Skript: Jackson, Fran Walsh, Philippa Boyens | mit Elijah Wood, Ian McKellen, Cate Blanchett, Orlando Bloom , Sean Astin, Viggo Mortensen, John Rhys-Davies, Dominic Monaghan, Billy Boyd, Sean Bean, Liv Tyler, Andy Serkis, Christopher Lee, Miranda Otto, Karl Urban, Bernhard Hill, David Wenham, John Noble | 672 min.

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3 Gedanken zu „The Lord of the Rings (2001-03)

  1. Klingt nach einem famosen Erlebnis! Ich habe es noch nie am Stück geschafft, packe aber auch gerne alle drei Filme in drei aufeinander folgende Tage – aber meist später, d.h. irgendwann um Weihnachten. Übrigens bin ich beim lesen noch nie über „The Two Towers“ rausgekommen. Vielleicht mag ich Jacksons Mittelerde deshalb so gerne. Wobei man beim Hobbit ja auch schon wieder Abstriche machen muss…

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