A Most Violent Year (2014)

„You should know that I have always taken the path that is most right. The result is never in question for me. Just what path do you take to get there, and there is always one that is most right. And that is what this is.“

Was passiert
A Most Violent Year1981, eines der gefährlichsten Jahre in der Geschichte von New York City. Der Unternehmer Abel Morales versucht gerade zu diesem Zeitpunkt ein wichtiges Geschäft abzuschließen, doch die hohe Kriminalitätsrate bringt ihn in Bedrängnis: Ständig werden seine Heizöltransporter das Ziel von Überfällen. Abel vermutet, dass einer seiner Konkurrenten dahinter steckt, doch beweisen kann er es nicht. Während der auf Gesetzestreue bedachte Abel von allen Seiten, gerade von seiner Frau Anna, zu einer härteren Gangart gedrängt wird, nimmt Staatsanwalt Lawrence nun ausgerechnet ihn ins Visier.

Was Sache ist
Drei Jahre nach dem großartigen „Margin Call“ kehrt J. C. Chandor mit „A Most Violent Year“ zurück zur Dekonstruktion des American Dream, zur (neo)liberalen Staatsideologie, nach der jede*r es mit harter Arbeit in den Staaten schaffen kann. Abel Morales (Oscar Isaac) ist Immigrant und war früher selbst einfacher Fahrer in einem Transportunternehmen. Nun zieht er mit seiner Familie in ein Luxusanwesen und steht kurz vor einem Geschäftsabschluss, der ihm in Zukunft ermöglichen würde, den Heizölhandel in ganz New York zu dominieren. Überzeugt davon, dass seine Rechtschaffenheit und sein Streben nach Exzellenz ihm all das ermöglicht hat, hat Abel die Ideologie des American Dream verinnerlicht. Entsprechend gerät er in Rage, als der Staatsanwalt (David Oyelowo) ihm in Aussicht stellt, Anklage gegen ihn zu erheben, und mehr noch, als seine Frau Anna (Jessica Chastain) ihm im Streit an den Kopf wirft, ohne sie hätte er nie diese Position erreicht. Weit mehr noch als Schulden sind ihm Abhängigkeiten ein Gräuel; eine typische Einstellung für Amerika, das Land der auf Pump finanzierten Eigenheime. Und doch muss Abel lernen, dass er weniger unabhängig ist, als er glaubte, und dass es Situationen gibt, in denen er sich entscheiden muss zwischen Rechtschaffenheit und dem Erreichen seiner Ziele.

„I never wanted to be a gangster“, sagt er, das Ebenbild des jungen Pacino, bevor er sich abfindet mit den halblegalen Geschäftspraktiken, die Anna lapidar als branchenüblich abtut. „My husband’s an honorable man“, will sie Lawrence einbläuen, und später wiederholt Abel dem Staatsanwalt gegenüber etwas ähnliches, worauf dieser entgegnet: „That’s probably true.“ Aber ehrliche Absicht ist nicht genug in einem Geschäft, in dem ein wohlplatzierter Schuss Blut und Öl gleichermaßen zum Fließen bringt. In diesem Sinne ist „A Most Violent Year“ ein sehr ungewöhnlicher Gangsterfilm; es ist sicher eine andere Art von Naivität als diejenige der Harvard-Buben in „Margin Call“, die Abel dann und wann durchblicken lässt, aber letztlich mündet sie in die gleiche Erkenntnis, diejenige nämlich, die die US-Staatsideologen so gerne vergessen machen wollen, dass nämlich Erfolg auf lange Sicht nur möglich ist, solange jemand anderes dafür bezahlt, und für jeden, der es schafft, ein anderer auf der Strecke bleibt. Chandor tastet sich auch hier langsam an diese Erkenntnis heran, vielleicht etwas weniger überlegen und unterschwellig spannend als in seinem Erstling, dafür großartig gefilmt von Bradford Young und auch gut gespielt von Chastain und insbesondere Isaac, der Abels Aura des Erfolgs subtil an den Rändern ausfransen lässt. Ein einprägsamer, ein trotz (oder wegen) gedrosseltem Tempo intensiver Film, mit dem sich Chandor einmal mehr als einer der momentan interessantesten Vertreter*innen seiner Zunft auszeichnet.

A Most Violent Year (USA 2014) | Regie + Skript: J.C. Chandor | mit Oscar Isaac, Jessica Chastain, David Oyelowo, Albert Brooks, Elyes Gabel | 125 min.

Andere Meinungen: Komm & Sieh

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