Lost 1×06 – House of the Rising Sun

„Is there a reason you didn’t consult us when you decided to form your own civilization?“

Was passiert
Lost Season 1Jack und co. stoßen bei den Höhlen nicht nur auf Mumien und wilde Bienen, sondern auch auf hervorragenden Unterschlupf. Das jedenfalls findet Jack, der dort die beste Chance für die Gruppe sieht, auf der Insel zu überleben. Doch nicht alle sind begeistert von der Idee, den Strand zu räumen: Michael zum Beispiel, der nur daran denkt, sich und seinen Sohn in Sicherheit zu bringen. Als er scheinbar grundlos von Jin angegriffen wird, gerät das Lager in Aufruhr. Nur Sun weiß, was los ist. Locke entdeckt währenddessen Charlies Geheimnis und stellt ihn vor eine Wahl.

Was Sache ist
Die erste Spaltung! Wir wissen inzwischen genug über unsere Überlebenden – zumindest einige von ihnen – um nachfühlen zu können, dass einige ein größeres Interesse als andere haben, von der Insel herunterzukommen. Am einen Ende des Spektrums: Locke, der an diesem Punkt wohl als Einziger keinen Wert darauf legt, die Insel zu verlassen, muss er doch davon ausgehen, dass die Aufhebung seiner Lähmung an die Insel gebunden ist. Immerhin ist seinen Mystiker-Reden in dieser und der letzten Episode zu entnehmen, dass er davon überzeugt ist, es handle sich hier nicht um eine gewöhnliche Insel. (Wir wissen immer noch nicht, was er im Dschungel gefunden hat.) Dass dagegen für Kate ihr innerer Drang, in Bewegung zu bleiben, stärker ist als die Erleichterung, dem Zugriff der Behörden entkommen zu sein, ist interessant: nicht gerade die Art und Weise, wie ein solcher Charakter üblicherweise konzipiert würde. „House of the Rising Sun“ lässt ihre aufkeimende Beziehung zu Jack an Kontur gewinnen, was dann umso mehr ihre Entscheidung unterstreicht, am Strand zu bleiben, sich nicht selbst gefangen zu setzen. „What happened to you?“, fragt ein verwunderter und auch verletzter Jack, und wir fragen uns, wann wir genau das wohl erfahren werden. Die anderen Charaktere bekommen sehr souverän ihre kleinen Momente gesteckt, um ihre jeweilige Entscheidung zu rechtfertigen: Sayid, ganz Militär, ist nicht bereit, eine Niederlage einzugestehen; Michael denkt primär an Walt; Hurley probiert’s mal mit Gemütlichkeit; Charlie ist mindestens unbewusst nicht bereit, sich zu weit von seinem Vorrat zu entfernen, der sich jetzt bei Locke befindet; und Sun und Jin haben guten Grund, sich von Michael und auch von Sayid fern zu halten. Sawyer bleibt ambivalent, aber Kate-fixiert, und Boone und Shannon bleiben uns diesmal erspart.

Wie schon in „White Rabbit“ gelingt den Rückblenden, die sich diesmal auf Sun fokussieren, die große Kunst, eine Geschichte in kurzen Skizzen zu erzählen, die als Charaktermotivation genügen und gleichzeitig eine Rückkehr zu detaillierteren Antworten versprechen. Kaum eine Rückblende übertrifft eine Dauer von zwei Minuten. Dieser kurze, schmerzlose Sprung in eine vorgelagerte Nebenhandlung, die gewisse Clues für das eigentliche Geschehen auf der Insel liefert (auch wenn wir sie nicht immer direkt erkennen), ist bereits jetzt das Markenzeichen der Serie. Längere Flashbacks würden von der Haupthandlung ablenken. Gleichzeitig muss (in diesem Fall) Sun in diesen kurzen Sprüngen eine glaubhafte Entwicklung durchmachen. „Lost“ stützt sich dabei ohne Zweifel auf Stereotypen, tut das jedoch sehr geschickt: Der Dreisprung von der Blume zu Suns melancholischer Erinnerung an die Zeit, als Jin ihr nicht mehr als eine Blume schenken konnte, zurück zur Blume; ein simples Symbol, gepaart mit dem Klischee des Arbeit-verändert-einen-Menschen und dem offen gelassenen Rätsel, zumindest bis zur ersten Episode aus Jins Perspektive – gelungen. Übrigens auch in der Hinsicht, dass Sun als Point-of-View-Charakter zu diesem Zeitpunkt erst einmal verwunderlich scheint; man hätte vielleicht eher eine Sayid- oder eine komplette Charlie-Folge erwartet, doch die Serienmacher wissen genau, welche Charaktere sich über die Haupthandlung ins Geschehen einfügen (die Charlie-und-Locke-Momente in dieser Folge sind exzellent) und welche den Umweg über die Flashbacks benötigen.

Flashbacks
6 Sun-Rückblenden, in denen sie als Tochter aus gutem Haus eine Romanze mit dem mittellosen Jin beginnt, der schließlich die Erlaubnis erhält, Sun zu heiraten – vorausgesetzt, er arbeitet für ihren Vater. Der Wind beginnt sich zu drehen, als Jin sich durch diese Arbeit verändert: Eines Nachts kommt er blutbefleckt nach Hause, was Sun dazu bewegt, ihr eigenes Verschwinden während einer Reise nach Australien zu arrangieren. Als Jin ihr jedoch eine Blume schenkt, was sie an die unbeschwerte Anfangszeit der Romanze erinnert, entscheidet sie sich, mit ihm zurückzukehren. (In der letzten Rückblende ist Jack zu sehen, der am Empfangsschalter des Flughafens mit der Angestellten diskutiert; siehe „White Rabbit“.)

Das Zeitliche segnet:
Niemand, auch wenn wir zwei ausgetrocknete Mumien finden, die sich laut Jack dort schon seit mindestens 50 Jahren im Schönheitsschlaf befinden.

Offene Fragen:
Welche Aufgabe hat Jin für Suns Vater erfüllt?
Wer waren Adam und Eva?

Wertung: 8/10

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